Zoff vor dem Hessen-Derby

Rivalität am Reißbrett?

Heute trifft Frankfurt erstmals seit 1982 auf Darmstadt. Vor dem Derby gibt es Ärger um eine Autobahnbrücke und makabere Plakate. Eine Rivalität aus heiterem Himmel?

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Nun also »Bratwörschtscher uff de Weihnachtsmarkt« statt »Lilienschweine jagen«. 

Als sich Frankfurt und Darmstadt 98 zuletzt gegenüber standen, am 28. April 1982, spielte die Eintracht noch vor 10.000 Zuschauern im altehrwürdigen Waldstadion. Auf dem Rasen: Ikonen wie Rekordspieler Karl-Heinz Körbel oder Werner Lorant. Bum-Kun Cha und Norbert Nachtweih schossen Frankfurt zum Sieg, Darmstadts Helmut Vorreiter konnte beim 2:1-Erfolg der SGE nur noch verkürzen. Zwar hatte Darmstadt aus seinem ersten Bundesligajahr, das der Klub mit Feierabendfußballern beging, gelernt, trotzdem endete am Saisonende 1981/82 auch das zweite Gastspiel in der Beletage nach nur einer Spielzeit.

33 Jahre ist das nun her. Seitdem: kein Punktspiel, kein Treffen im Pokal, nichts.

Die Gegner der Lilien: Jügesheim und Unterliederbach

Während die Eintracht ununterbrochen im Profifußball spielte, erlebten die Lilien eine Odyssee. Sie taumelten in den Amateurfußball, duellierten sich um die Jahrtausendwende mit Klubs wie dem SV Jügesheim oder dem VfB Unterliederbach. Darmstadt spielte bis 1993 zweit-, danach über zwei Jahrzehnte dritt- und viertklassig. Die Eintracht hatte den SVD98 nicht einmal auf dem Radar.

Nun aber das: Vor dem Wiedersehen am Sonntag brachten Frankfurter Ultras Plakate und Aufkleber in Umlauf, auf denen ein stämmiger Mann mit einem Adler auf dem Rücken zu sehen ist. In der linken Hand hält er eine Axt, mit der rechten würgt er eine Frau im Darmstadt-Dress. Darüber der Schriftzug: »Darmstadt vernichten«, darunter die Zeilen: »06.12.2015, Alle auf die Straße, Lilienschweine jagen« – ein geschmackloser Fehltritt, der viele Menschen im Rhein-Main-Gebiet ebenso erregte wie überraschte.

Denn das letzte Derby ist Jahrzehnte her. Woher rührt also diese plötzliche Anfeindung?