Zico (13) soll ein Superstar werden

Eine verkaufte Kindheit

Zico Marecaldi kennt nur ein Ziel: groß rauskommen. Schon als Neunjähriger wurde er von Schweden nach Barcelona verfrachtet. Eine Geschichte, die Fragen aufwirft.

Screenshot Youtube/ Zico Jr Marecaldi

Sein Vorname ist gewissermaßen Programm: Zico Marecaldi aus Malmö in Südschweden befindet sich auf einer Mission. Der 13-Jährige soll eines Tages ein Superstar werden. Auf dem Weg zum Gipfel machte Zico bereits bei Bröndby IF und beim großen FC Barcelona Station. Richtig glücklich wurde er weder da noch dort. Doch das scheint auch nicht so wichtig. Zico weiß, dass es Entbehrungen mit sich bringt, wenn man alles dem ganz großen Ziel unterordnet. »Ich wollte schon immer jemand sein, dessen Name in den Schlagzeilen steht, an den man sich später mal erinnert«, erklärt er in der schwedischen Zeitung »Expressen«. »Letztlich geht es doch im Leben darum, wie viele Fans man hat. Hat man keine Fans, kann man sich auch nicht kaufen, was man will. Ohne Fans ist man also gar nichts im Leben.«

Schon als Zico neun Jahre jung war, verfrachteten seine Eltern ihn vom heimischen Malmö nach Barcelona. Dort bekam er einen Platz in der privaten Fußballakademie »Fundación Marcet«, die eng mit Barca kooperiert. Auf diese Weise konnte der Klub die FIFA-Restriktionen bezüglich der Verpflichtung Minderjähriger aus dem Ausland umgehen. Das erste Jahr in Barcelona war hart für Zico, sehr hart. Tagsüber ging er zur Schule, trainierte, aß, trainierte, aß. Abends weinte er sich oft in den Schlaf. Er hatte Heimweh und vermisste seine Eltern. Papa Antonio kam nur alle paar Wochen für ein paar Tage zu Besuch. Dann, nach zwölf Monaten, zog die ganze Familie Marecaldi »aus beruflichen Gründen« in die katalanische Metropole. So durfte Zico ganz offiziell ins Barca-Internat »La Masia« wechseln.

Zico macht auf Zlatan

Nach seiner Ankunft dort berichtete ein lokaler TV-Sender, Barca habe den Sohn des »echten« Zico verpflichtet. Das war natürlich eine Ente. Die Familie Marecaldi hat ihre Wurzeln nicht in Brasilien, sondern in Argentinien, Chile, Syrien und Schweden, weshalb sich schon bald Talentspäher der entsprechenden Verbände auf den Weg machten, um Barcas neuen Wunderknaben zu bestaunen. Eine Zeitung ernannte Zico prompt zum »Messi Skandinaviens«. Letztlich aber wurde der Dribbelkünstler auch in »La Masia«, dieser weltberühmten und für ihre Strenge berüchtigten Talentschmiede, nicht glücklich. So erzählt es Vater Antonio. In Barcelona gibt es Stimmen, die behaupten, der Filius sei einfach nicht gut genug gewesen. Jedenfalls zog die Familie schon bald heim und Zico heuerte beim dänischen Topklub Bröndby IF an – nur knapp 30 Autominuten von Malmö entfernt.

Doch auch in Bröndby lief es nicht. Angeblich soll Zico zu sehr auf Zlatan Ibrahimovic gemacht haben: großes Ego, kleines Laufpensum und so. Er wechselte zu Ishöys IF, einem Klub, der ebenfalls im Großraum Kopenhagen zu Hause ist. Dort spielt Zico nun in der U15. Übergangsweise, wie der Papa betont. Einmal, im Oktober, sollen gleich sieben ausländische Talentspäher an der Seitenlinie gestanden haben. Immerhin schoss Zico sein Team mit zwölf Saisontoren in die höchste Jugend-Spielklasse Dänemarks. Dort will er 2018 so richtig für Furore sorgen – und denen in Bröndby mal zeigen, wen sie da vergrault haben.