Zeugnis für Thomas Tuchel

Setzen, Zwei minus!

Hans-Joachim Watzke zählt Thomas Tuchel öffentlich an. Aber hat er damit Recht? Wir stellen Tuchel ein sportliches Zeugnis aus.

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Hobbys sind eine sehr persönliche Sache. Manche gehen Angeln, andere sammeln Briefmarken, frivole Geister frequentieren den örtlichen Sauna-Club. Hans-Joachim Watzke gibt in seiner Freizeit gerne Interviews. Gefühlt alle paar Tage quasselt der BVB-Boss etwas in ein Mikrophon, nie verlegen um eine eloquente Spitze gegen die Bayern, Plastikvereine oder manchmal auch die eigenen Fans.

Nun traf seine Kritik ausgerechnet den eigenen Trainer. Es sei ein Dissens zwischen Thomas Tuchel und der Vereinsführung bei der Frage sichtbar geworden, wie man den Anschlag auf den BVB-Bus öffentlich kommentiere, so Watzke gegenüber der Funke-Mediengruppe. Watzke stellte sogar die Vertragsverlängerung mit Tuchel infrage. Man werde Tuchel nach der Saison ein Zeugnis ausstellen, so Watzke.

Es ist zwar ein offenes Geheimnis, dass der Dissens zwischen Watzke und Tuchel nicht rein sportlicher Natur ist. Die BVB-Führung fremdelt mit Tuchel seit Längerem. Betrachten wir es aber mal rein sportlich: Was käme dabei heraus, wenn der BVB tatsächlich ein Abschlusszeugnis für Tuchel erstellen würde?

System und Anpassungen: 2-

Thomas Tuchel hat als Mainz-Trainer den Begriff »Matchplan« geprägt. Auch in Dortmund geht er jedes Spiel mit seiner eigenen Taktik an und bereitet sich intensiv auf den Gegner vor. Ein Stammsystem gibt es nicht. Dortmund wechselt regelmäßig zwischen Dreier- und Viererkette, zwischen Ein- und Zwei-Stürmer-System.

Das führt dazu, dass Dortmund schwer ausrechenbar ist – aber eben auch immer abhängig von der Spielvorbereitung des Trainers. Nicht immer hat Tuchel in dieser Saison die richtige Variante gewählt. Die Idee, das Rückspiel gegen Monaco mit einer Fünferkette zu beginnen, ging nicht auf. Tuchel selbst räumte dies nach dem Spiel ein.

Es gab aber auch Spiele, die Dortmund dank Tuchels Anpassungen dominierte. Gegen Hoffenheim zeigte sich Tuchel wieder von seiner starken Seite: Sein Defensivplan nahm Nagelsmann Hoffenheimern den Wind aus den Segeln. Im Mittelfeld spiegelte Dortmund Hoffenheims Formation, erzwang somit Eins-gegen-Eins-Duelle. Ousmane Dembele nahm Taktgeber Sebastian Rudy in direkte Manndeckung. Die Dortmunder Abwehr verteidigte dahinter derart hoch, dass keine Räume zwischen den Linien entstanden. Hoffenheims Philosophie, das Spiel über direkte Pässe in den Zwischenlinienraum zu eröffnen, ging gegen die kompakte BVB-Mannschaft nicht auf. Tuchel kann es halt noch. (Und dass das frühe Abseitstor Tuchels Defensivtaktik beflügelte, werten wir nach dieser Pleiten-und-Pannen-Saison einfach mal als Karma.)