Zeitungskrieg zwischen Deutschland und England

Der Feind in meinem Blatt

Deutschland gegen England – das bedeutet nicht nur Krieg auf, sondern auch neben dem Platz. Ganz vorne an der Front: Der englische Boulevard. Für Klatschblätter wie »The Sun« ist der Klassiker das Geschäft des Jahres.ö Zeitungskrieg zwischen Deutschland und England »Geht das schon wieder los!«, ächzte Pat Sheehan, Redakteur bei der englischen Boulevardzeitung »The Sun«. Gerade hatte er das nervenzerreißende letzte Gruppenspiel gegen Slowenien überstanden, das England mit Ach und Krach gewann. Da trat ein Wort in sein Bewusstsein: Deutschland.

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Deutschland gegen England. Geht das schon wieder los. Für Sheehan und seine Kollegen ist das Spiel, dessen Historie auch in ihrem Büro mehrere Regalmeter füllt, Glücksfall, Herausforderung und Zumutung zugleich. »Die WM allein jagt unsere Verkaufszahlen in die Höhe. Wenn diese beiden Teams aufeinandertreffen, wird selbst das noch einmal getoppt«, sagt Sheehan.

Immer kraftmeierisch und brüllend laut

Wie ein Mann, der soeben auf eine Goldader gestoßen ist, klingt er jedoch keineswegs. Denn das Gold muss er selbst herstellen, durch die Alchemie der Headlines. »The Sun« ist berüchtigt für ihre Schlagzeilen, immer kraftmeierisch und brüllend laut, oft bis hart an die Grenze zur Falschmeldung vereinfachend – und wenn es um Deutschland geht, bemüht die Redaktion mit Vorliebe bluttriefende Kriegsrhetorik.

Eine zweifelhafte Tradition, gleichwohl ist sie erfolgreich und will deshalb aufrechterhalten werden. Eine Kärrnerarbeit, denn ein Zettelkasten, aus dem Sheehan und die Seinen die Schlagwörter nur so zücken könnten, existiert nicht. Jedes Mal sitzen sie wieder da und hirnen nach einem knackigen Slogan. »Wie oft sind diese Teams eigentlich schon aufeinander getroffen?«, jammert Sheehan, als hätte er Seitenstiche von seinem Beruf. Und wie viele Headlines mussten die sensationsgetriebenen »Sun«-Knechte schon ersinnen? Alles schon mal da gewesen. Was gibt’s Neues?

Die Deutschen sind ne Wurst

Diesmal sprangen ihnen obskure Statistiker bei, die ermittelt haben wollen, dass die Engländer bessere Elfmeterschützen seien. »GERMANS WURST AT PENALTIES«, drechselten die Redakteure – die Deutschen sind schlechter, die Deutschen sind ’ne Wurst.

Nicht sehr innovativ, aber gut genug für niedere Instinkte. »Das ist unser Markt«, meint Pat Sheehan. Journalistischer Stolz spricht nicht aus ihm, eher das raubeinige Pflichtgefühl eines Kanalarbeiters. Einer muss es ja machen.

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