Zehn Trainer und ihre Strafen

Rotzen, Trällern, Schweigen

Willi Lemke
2001 forderte Ex-Werder-Manager und Bremer Bildungssenator Lemke, das weitverbreitete Gespucke der Bundesliga-Profis zu unterbinden. Die Szene reagierte gereizt. »Wir haben auf dem Schulhof schon gerotzt! Zum Naseputzen habe ich auf dem Platz keine Zeit«, barmte Mario Basler. »Ein Verbot wäre in der Wettkampfsituation unrealistisch«, mopste sich Werner Lorant. Claus Reitmaier schließlich präsentierte ein Totschlagsargument: »Als Torwart muss ich doch in meine Handschuhe spucken, damit sie feucht und griffig bleiben!«

Klaus Augenthaler
Es müssen nicht immer Geldstrafen sein. Augenthaler ließ in Wolfsburg säumige Profis zur Strafe ein Lied trällern oder einen Witz erzählen. »Vor der Gruppe etwas aufzusagen, tut den meisten Spielern mehr weh, als die zehn oder 20 Euro, die sie trotzdem bezahlen müssen. Die Jungs haben eine schlaflose Nacht, fangen an zu zittern und werden rot«, berichtete Augenthaler erheitert. Ausländische Kicker durften die deutsche Nationalhymne singen. Augenthaler: »Einer hat gesungen: Einigkeit und Recht und Freizeit.«

Louis van Gaal
Bereits Mitte der neunziger Jahre bewies van Gaal Sinn für Stil. Damals wurden immer buntere Schuhe zum Muss für trendbewusste Kicker. Als die farbenfrohen Treter auch Einzug in die Kabine von Ajax Amsterdam hielten, sprach der Coach ein Machtwort. »Einmal kam ein Spieler mit weißen Schuhen auf den Platz. Ich rief: ›Zurück! Wenn es dir nicht passt, kannst du ja zum Vorstand gehen.« Und dann fügte van Gaal lebensweise hinzu: »Ich finde, dass man sich mit Talent abheben soll – nicht mit weißen Schuhen.«

Hannes Linssen
Als überraschend harter Bursche entpuppte sich Softie Hannes Linssen bei Fortuna Köln. Regeln wie beim Kommiss: Wer in der Halbzeit ungefragt den Mund aufmachte, durfte gleich unter die Dusche. Als Keeper Robert Hemmerlein zwei Minuten zu lang telefonierte, durfte er am nächsten Morgen nicht mittrainieren. Bernd Grabosch nahm aus Angst vor Linssens Waage sechs Kilo ab. Kees Bregman und Jürgen Baier schließlich wurden für unziemlichen Lärm auf dem Hotelzimmer gar für ein Spiel suspendiert. Fortuna Köln verlor.

Uwe Klimaschefski
Als Trainer des TSV 1860 München setzte Klimaschefski auf klassische Nahtoderfahrungen. »Jetzt zieht euch warm an!«, krakeelte er nach einer Nieder­lage. »Jetzt reiß’ ich Euch den Arsch auf! Bis zur Naht.« Aber auch das Begleitpersonal war nicht vor den Strafaktionen sicher. Der Platzwart wurde einmal an den Pfosten gebunden. »Er war betrunken und hatte uns zuvor ziemlich genervt. Wir trafen ihn nur ein paar Mal, dann schnitt ihn seine Frau mit einem Küchenmesser los«, erklärte Klimaschefski fast bedauernd.