Zehn Europapokal-Sensationen

»Das ist nicht möglich, das ist unglaublich«

UEFA Pokal 1988/89, Achtelfinale
Inter Mailand – Bayern München 1:3 (Hinspiel: 2:0)
Nach der 0:2-Heimniederlage im UEFA-Pokal-Achtelfinale gegen Inter Mailand glaubte in der bayrischen Landeshauptstadt, trotz »Mir san mir«-Gefühl, niemand mehr an ein Weiterkommen. Während Matthäus und Brehme, in Diensten von Inter Mailand, schon über ihre alten Kollegen feixten, geriet die bayrische Angriffslawine von der ersten Minute des Rückspiels ins Rollen. Die Zuschauer erlebten eine unwiderstehliche Bayern Elf, die bereits in der 37. Minute den Hinspiel-Rückstand egalisierte, und nach Jürgen Wegmanns 3:0 die Weltauswahl von Inter Mailand vor ein unlösbares Problem stellte. Zwar konnte Serena noch vor der Pause für die Schwarz-Blauen verkürzen, zu einem weiteren Treffer kam Inter aber nicht. Bayern verließ »San Siro« freudentrunken in Richtung UEFA-Cup-Viertelfinale, während Brehme und Matthäus sich gegenseitig tröstend in den Armen lagen und den fassungslosen Italienern erklärten, was es mit diesem »Mir san mir« auf sich hat.

UEFA Pokal 1993/1994,
2. Runde
Karlsruher SC - FC Valencia 7:0 (Hinspiel: 1:3)

Das »Wunder vom Wildpark« war wie ein wilder Traum, nach dem man morgens schweißnass aufwacht und kaum glauben kann, dass man so sich etwas Unwirkliches zusammenspinnen kann. In einem Spiel, das sogar zweistellig hätte ausfallen können, überrennt der krasse Außenseiter Karlsruhe, die bei der 1:3-Hinspiel-Niederlage phasenweise noch vorgeführt wurden, die pomadigen Spanier. Deren Trainer Guus Hiddink kann nur mit offenem Mund zu schauen, wie seine Mannschaft ihre bitterste Lektion lernt. Auch die winterlichen Temperaturen gelten nicht mehr als Ausrede für dieses Debakel. Nach zittrigen ersten Minuten, in denen der junge Oliver Kahn ein ums andere Mal seine Extraklasse beweist, spielen sich die Badener in einen Rausch. Edgar Schmitt erzielt allein vier Treffer und ist fortan nur noch »Euro-Eddy«. Selbst Kommentator Jörg Dahlmann kann nach dem Spiel nicht mehr an sich halten: »Wie aus einem Guß, eine Sternstunde im Europapokal... Edgar Schmitt!!! Das ist nicht möglich, das ist unglaublich, unfaßbar, ich... ich raff's nicht... liebe Leute, wie schön kann Fußball sein, wie schön kann Europapokal sein - lieber KSC, wir danken Euch!«

UEFA Pokal 1999/00,
3. Runde
Werder Bremen - Olympique Lyon
4:0 (Hinspiel: 0:3)
Das 4:0-Rückspiel-Spektakel ist ein Mutmacher der jüngeren Weser-Wunder-Geschichte. Nachdem Lyon das Hinspiel überraschend deutlich mit 3:0 für sich entschieden hatte, schien sich die Mannschaft um Frédéric Kanouté, Gregory Coupet und Sony Anderson im Rückspiel schon auf die Ligue 1 zu konzentrieren, in  der Schwergewicht Stade  Rennes als nächstes wartete. Ihre Taktik ging auf, das Spiel gegen Rennes entschieden die Ost-Franzosen mit 2:1 für sich, die UEFA Pokal-Partie vergeigten sie dagegen gehörig. Daraufhin philosophierte der Bremer Keeper Frank Rost:  »So etwas ist wirklich nur im Europacup möglich.«

Champions League 2003/2004, Viertelfinale
AS Monaco
– Real Madrid 3:1 (Hinspiel: 2:4)
Was für eine verrückte Champions League Saison. Nachdem Monaco bereits in den Champions League-Vorrunde mit einem 8:3 gegen Deportivo La Coruna Geschichte geschrieben hatte, brachten sie im Viertelfinale auch noch Real Madrid zu Fall. Trotz einer 2:4-Hinspielniederlage rafften sich die Monegassen vor kümmerlichen 18.000 Zuschauern noch einmal auf, um ein Wunder zu erzwingen. Doch Madrid ging bereits nach 36 Minuten durch Raul in Führung – ein Schock. Monacos Antreiber Ludovic Guily glich noch vor der Pause aus und als der ehemalige Madrilene Morientes dann für die 2:1-Führung sorgte, brach Madrid völlig ein. Guily verpasste den »Galaktischen« dann nach knapp einer Stunde mit einem traumhaften Hackentrick den endgültigen K.o. und das Fürstentum versank im Freudentaumel. Das Ende des Champios-League-Märchens von Monaco gab es erst im Finale gegen den FC Porto.

UEFA Pokal 2005/2006, Halbfinale
FC Middlesbrough - Steaua Bukarest 4:2 (Hinspiel: 0:1)
Mit Real Betis Sevilla und dem SC Heerenveen hatte Steaua bereits einen spanischen und einen niederländischen Vertreter aus dem Wettbewerb gekegelt. Und nach 24 gespielten Minuten im Riverside Stadium sah alles danach aus, als würde mit dem FC Middlesbrough ein englischer Klub folgen. Das Hinspiel hatten die Rumänen mit 1:0 für sich entschieden. Im Rückspiel lagen sie zu diesem Zeitpunkt mit 2:0 vorne. Für Boros-Trainer Steve McLaren Grund genug, jegliche taktischen Zwänge über Bord zu werfen. In der 26. Minute brachte er mit Massimo Maccarone für Gareth Southgate den dritten, in der 55. Minute mit Yakubu Aiyegbeni den vierten Stürmer. Und sein Offensivgetöse sollte sich lohnen: Sieben Minuten nach seiner Einwechslung netzte Maccarone zum 1:2 ein, eine Minute vor Schluss köpfte er Middelsbrough mit dem 4:2 ins Finale.