Zehn Dinge über Katar

Rockefeller lässt grüßen

Heute ist es soweit, die Granden der FIFA entscheiden über die WM-Vergabe. Einer der Geheimfavoriten für das Jahr 2022 ist Katar, zumindest wenn man Sepp Blatter glauben darf. Wir stellen das Land vor. Zehn Dinge über Katar
Ausgeschlossene Exekutivkomitee-Mitglieder, Konföderationen ohne Stimmberechtigung, Bestechungsgerüchte und der ohnehin dubiose Ruf der FIFA – die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 wirft dunkle Schatten voraus. Eine Nation lässt das völlig kalt: Katar will die WM um jeden Preis, und ist bereit, dafür richtig tief in die Portokasse zu greifen. Wir haben für euch zehn Fußball-Fakten aus dem Sand des Wüstenstaates ausgegraben.

1.
Royal Zwanzigers
 
Der Verbandschef des Wüstenstaates hört auf den Namen Scheich Hamad Bin Khalifa Al-Thani und ist der Emir des Landes – quasi Theo Zwanziger und Christian Wulff in Personalunion. Und Ernst August von Hannover. Er ist mit nicht weniger als drei Frauen verheiratet, hat neben elf Söhnen auch 13 Töchter. Und hierzulande regt man sich über Franz Beckenbauer und Jean Pütz auf.


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2.
Auf die Größe kommt es an. Nicht.

Flächenmäßig gehört Katar zu den eher kleineren Staaten der Erde. Mit 11.437 Quadratkilometern ist der Wüstenstaat kaum größer als Hawaii. In der Liste der flächengrößten Länder rangiert die ovale Halbinsel damit sogar hinter Phantasiestaaten wie Guinea-Bissau, Dschibuti oder Vanuatu. Mit knapp einer Million Einwohnern leben in Katar zwar weniger Menschen als im Saarland, aber immerhin mehr als in Bremen. Hm, die WM 2042 – Herzlich willkommen in Bremen und dem Saarland!  

3.
Die virtuelle WM  

Um das Exekutivkomitee der FIFA in seinen Bann zu ziehen, trumpfte Katar mit einem halbstündigen Bewerbungsvideo auf. In 3D! Wer den Altersdurchschnitt der Strippenzieher des Weltfußballs kennt, kann sich vorstellen, dass es auch Farbfernsehen getan hätte.  

4.
Rockefeller lässt grüßen  

In der Hauptstadt Doha ist 2004 ein Trainingszentrum allererster Colleur entstanden. Die Aspire-Academy umfasst so dezente Schmankerl wie das 320 Meter hohe Tower-Hotel, das 50.000 Zuschauer fassende Khalifa-Stadion und den Aspire Dom. Jener ist die größte überdachte Sportstätte der Welt und beherbergt Spielfelder für so ziemlich alle Sportarten, die man sich vorstellen kann. Dort soll die sportliche Weltelite von morgen herangezüchtet werden – die Scouts des Landes sichten jährlich 630.000 Kinder in Entwicklungsländern, von denen letztlich 48 in die Academy aufgenommen werden.  

5.
One small step for a man…

Sollte die WM 2022 tatsächlich am Persischen Golf stattfinden, würde in mehrerlei Hinsicht Neuland betreten werden: Es wäre die erste Fußball-Weltmeisterschaft in einem arabischen Land, gleichzeitig wäre Katar auch das kleinste Gastgeberland aller Zeiten. Und damit nicht genug: Es wäre auch das erste Mal, dass die Spielstätten in Sichtweite lägen. Platz eins auf der Liste der sinnlosesten Neuerungen.



6.
Mehrweg-Stadion

Neun der potentiellen zwölf Stadien würden im Falle der WM-Vergabe neu gebaut werden, darunter teilweise abenteuerliche Kreationen. Das Doha Port Stadion beispielsweise soll aus einer extra angelegten Halbinsel im Persischen Golf erwachsen. Außerdem funktionieren einige Arenen nach dem Baukastenprinzip, damit sie nach dem Turnier dekonstruiert und komplett oder teilweise in Entwicklungsländer verschifft werden können. Da werden sich die hungrigen Kinder freuen, wenn sie plötzlich solch eine schöne High-Tech-Arena haben.    

7.
Katar - Mutter Natur 1:0

Wer auch immer dafür verantwortlich sein mag, die Genialität der Schöpfung treibt dem kleinen, unbedeutenden Tropf namens Mensch die Demut ins Gesicht. Nicht so den Ingenieuren im Auftrag der Kataris. Obwohl es zur WM-Zeit über 40 Grad heiß sein wird, garantieren die Organisationen eine Stadiontemperatur von 26 Grad. Wie das möglich ist? Durch Wasserkühlung und Klimaanlagen. Unter freiem Himmel versteht sich. Wer nun allerdings meint einer Klimakatastrophe auf der Schliche zu sein, wird enttäuscht: Die Energie für die gigantischen Kühlschränke liefert die Sonne, die Solaranlage sitzt auf dem Stadiondach.  

8.
Die Kauf ich mir

Weil nur rund 20 Prozent der Bevölkerung aus Einheimischen besteht, ist die Zusammenstellung einer eigenen Nationalmannschaft kein einfaches Unterfangen. Aufgrund des knappen Nachwuchses, fasste das Scheichtum einen Alternativplan und wollte sich kurzerhand ein Prunk-Team zusammenkaufen. Mit Spielern wie Ailton und Dedé dealte man bereits um einen Nationalitätenwechsel, ehe die FIFA dem Treiben einen Riegel vorschob.  

9.
Nationalliga = Stadtliga

Die höchste Spielklasse in Katar ist die »Qatari Stars League«, die in den Sechzigern aus der Stadtliga der Haupstadt entsprungen ist. Die Nachwirkungen sieht man bis heute: Von zwölf Klubs kommen sieben aus Doha, wo man über Fußballhaupstädte wie London oder Istanbul wohl nur müde lächeln kann.  

10.
Der schnöde Mammon  

Wer es immer noch nicht verstanden hat: Katar hat Schotter ohne Ende. Die wichtigsten Quellen des Reichtums sind Erdgas und Erdöl, nach Iran und Russland besitzt Katar die drittgrößten Erdgasreserven des Planeten. Seit Ende 2002 lockten die Penunsen diverse Spieler nach Arabien, um dort den Spätherbst ihrer Karriere zu verbringen: Effenberg, Batistuta, Dugarry, Cannigia, Okocha – ein Who is Who des Weltfussballs. Abgefärbt hat das anscheinend wenig: