Zehn Dinge über den FK Rostow

Wunder am Don

Im Sommer 2015 stand der FK Rostow noch mit einem Fuß in der zweiten Liga – ein Jahr später kämpfte er um die Meisterschaft. Ist der Klub das Leicester City Russlands?

imago

1. Wunder gibt es immer wieder
Wenn man dieser Tage in Russland über den FK Rostow spricht, spricht man auch immer über ein Wunder.

Kleiner Rückblick: In der Spielzeit 2014/15 läuft es für das Team überhaupt nicht gut, am Ende rettet sich der finanziell gebeutelte Klub erst in der Relegation vor dem Abstieg.

Auch die Saison 2015/16 startet katastrophal, denn der russische Verband verhängt eine Transfersperre für den FK Rostow, der seit einigen Monaten etliche Spielergehälter nicht gezahlt hat. Mehrere Profis drohen vor einem Pokalspiel sogar mit einem Boykott, der gerade so eben noch abgewendet werden kann.

In dieser misslichen Lage springt der ortsansässige Oligarch Ivan Savvidas finanziell zur Seite – und plötzlich läuft es. Ganz ohne große Stars oder viel Geld führt Rostow Ende April, fünf Spieltage vor Saisonende, die Premjer-Liga an. Die letzte Niederlage (und das letzte Gegentor) datiert auf den 30. November 2015.

Dann aber verliert Rostow ausgerechnet bei Mordovia Saransk (die später als Tabellenletzter absteigen) und ZSKA Moskau zieht vorbei. Trotzdem: Die Vize-Meisterschaft ist die beste Platzierung in der Geschichte des FK Rostow.
 
2. Das Leicester City Russlands
Wenn man dieser Tage in der Presse über den FK Rostow liest, liest man auch immer über Leicester City.

Der Vergleich ist naheliegend, dabei wirkt der Aufstieg Rostows noch sensationeller. Zum einen ist die Hegemonie in der russischen Liga noch stärker ausgeprägt als in England: Seit dem Zerfall der Sowjetunion 1992 haben fast ausschließlich Vereine aus Moskau oder St. Petersburg den Titel gewonnen. Nur drei Mal schafften es Alania Wladikawkas (1995) und Rubin Kasan (2008 und 2009), diese Phalanx zu durchbrechen.

Um das Leicester-hafte zu verbildlichen stellte russianfootballnews.com im Mai 2016 die Kader von Rostow der von Zenit St. Petersburg gegenüber. Die Startelf Rostows hatte einen Wert von 25 Millionen Euro, die Startelf St. Petersburgs 157 Millionen.

Sicher, auch Rostow bekam einige Jahre Geld von außen, etwa direkt vom Oblast Rostow. Allerdings musste der Verwaltungsbezirk seine Unterstützung wegen finanzieller Engpässe streichen. Einen Oligarchen der Marke Suleiman Kerimow (Anschi Machatschkala) oder Leonid Fedun (Spartak Moskau) gibt es in Rostow (noch) nicht.
 
3. »Diese dunkelhäutige Dinger«
Die Erfolge Rostows sind – abgesehen von der Vize-Meisterschaft 2016 – sehr überschaubar: 2014 wurde das Team Pokalsieger, und das war es auf nationaler Ebene eigentlich schon.

Allerdings konnte das Team den Triumph im Pokal nicht als Katalysator nutzen. Im Gegenteil: Nicht nur, dass das Team fast abstieg, der damalige Trainer Igor Gamula manövrierte sich mit rassistischen Kommentaren ins Abseits: In einem Interview antwortete er im Spätsommer 2014 auf die Frage, ob sich der Klub mit weiteren Spielern aus dem Ausland verstärken wolle, dass der FK Rostow bereits »sechs von diesen dunkelhäutigen Dingern« habe. Das sei genug. Gamula wurde für fünf Spiele gesperrt, später sagte er, dass seine Aussage als Witz gemeint war.
 
International gab es immerhin 1999 ein bisschen was zu feiern, als der Klub im Intertoto-Cup bis ins Halbfinale kam (nach Siegen gegen FK Cementarnica 55 Skopje und NK Varteks Varaždin), dort aber gegen Juventus Turin unterging (04 und 1:5). Für die Champions League qualifizierte sich Rostow gegen den RSC Anderlecht und Ajax Amsterdam.

4. Iranischer Messi
Stürmer Sardar Azmoun spielte früher in der Volleyball-Jugendnationalmannschaft und gilt als der »Iranische Messi«. Seine Quote ist durchaus beeindruckend: Er machte 29 Länderspiele für verschiedene Jugendnationalmannschaften und schoss dabei 30 Tore.

In der A-Elf läuft es nur unmerklich schlechter, in 20 Partien machte er 15 Tore. Für Rostow traf er in der vergangenen Saison immerhin neun Mal.
 
5. Halbzeitwissen
 
Bis 2003 trug der Klub den Namen Rostselmasch Rostow, benannt nach dem Hauptsponsor und größten Landmaschinenhersteller in Russland und Osteuropa: Rostselmasch.
 
Seine Heimspiele trägt der FK Rostow im Olimp-2 aus. Kapazität: 15.840 Zuschauer. Laut futbolgrad.com liegt die Auslastung in der Liga bei 81 Prozent, was die höchste in Russland ist. Für die WM 2018 soll eine neue Arena entstehen, in die 43.700 Zuschauer passen und ein bisschen so aussieht, als habe jemand auf LSD versucht, sein Lieblings-Pokemon zu visualisieren.



Wer sich als Bayern-Fan übrigens fragt, warum man den Verein auf gar keinen Fall mögen darf: Eine Partnerstadt Rostows ist Dortmund.