Youssef Mokhtari will kein Gehalt

Zocken in Frankfurt

Frankfurt. Wo die Wolkenkratzer zittern und die Bankenkrise Deutschland am härtesten trifft, will der Fußball-Nationalspieler Youssef Mokhtari beim Zweitligisten FSV für umsonst kicken. Ein Vorbild für Manager? Youssef Mokhtari will kein Gehalt Imago In Frankfurt gerät derzeit einiges aus den Fugen. Menschen im Anzug hetzen mit fahler Gesichtsfarbe durch die Straßen, in den S-Bahnen ist atmosphärisch kaum mehr zu unterscheiden, ob die Menschen ins Bankenviertel oder zum Hauptfriedhof fahren. In der Finanzmetropole sind einige gerade dabei, Milliarden zu verzocken. Manager stehen am Pranger, Börsianer, Banker, irgendwie die halbe Stadt. In dieser tristen Zeit wirft ausgerechnet der monetär aufgepumpte Fußball einen moralischen Hoffnungsschimmer an den Stadthimmel.

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Im Stadtteil Bornheim hat sich ein verloren geglaubter Junge gemeldet, der dem ansässigen Zweitligisten FSV Frankfurt einen seltenen Dienst erweisen will: Youssef Mokhtari, früherer Bundesliga-Spieler für Köln und Duisburg, hat angeboten, bis zur Winterpause ohne Vergütung für seinen Heimatverein spielen zu wollen. »Und die Prämien könnte der FSV an bedürftige Kinder spenden«, sagte der 29-Jährige der »Bild«-Zeitung.

Wer soll da Nein sagen? Der Aufsteiger liegt auf dem drittletzten Platz der Tabelle, Mokhtari hat 23 Mal für die marokkanische Nationalelf gespielt und dabei zehn Tore erzielt. Eins zum 2:2 gegen Frankreich in Paris, wo ihn Tausende Einwanderer im Stade de France wie einen Erlöser feierten. Er sagt selbst: »Ich bin ablösefrei und kenne mich sehr gut aus in der zweiten Liga. Wenn der FSV da nicht zuschnappt...«

Nun ja, ein Akt der totalen Selbstlosigkeit ist Mokhtaris Angebot natürlich nicht. »Selbstverständlich wäre der FSV für mich eine Plattform.« Er wolle sich präsentieren und auf das richtige Angebot warten, sagte er.

»Sollte lebenslang gesperrt werden«

Der selbstbewusste Mittelfeldspieler schlug in den vergangenen Jahren einige Haken durch die Fußballwelt, sein Ruf ähnelt dabei bisweilen dem der Banken-Manager. In Cottbus meldete sich Mokhtari einmal wegen psychischer Probleme berufsunfähig. Im Verein glaubte man indes an ein Schelmenstück des Spielers. Mokhtari wollte gerne nach Köln gehen und berief sich auf eine angebliche mündliche Zusage, Energie hatte das Angebot des FC aber zunächst abgelehnt. Als der Wechsel schließlich vollzogen war, keifte ihm Trainer Petrik Sander nach: »Ich will diesen Namen (Mokhtari, d. Red.) nie wieder hören.« Und Sanders Vorgänger Eduard Geyer forderte: »Solche Spieler müssten lebenslang gesperrt werden.«

In Köln geriet Mokhtari dann zum Sündenbock des Abstiegs 2006, weil er beim Stand von 2:1 gegen Schalke den Ball nicht quer auf die völlig freistehenden Podolski und Scherz (der ihm anschließend fast an die Gurgel ging) gelegt hatte, sondern selbst am Torwart gescheitert war. Die Partie endete 2:2 und Trainer Rapolder wetterte: »Das war ein Lehrstück zum Thema Egoismus. Jetzt muss Youssef einen Aufsatz zum Thema soziale Kompetenz schreiben.« Mokhtari schrieb den Aufsatz - und wanderte weiter zum MSV Duisburg, doch als er sich dort nach einem Jahr nicht auf eine Vertragsverlängerung (Geld?) einigen konnte, ging er 2007 nach Katar, und sagte selbst: »Was du dort in einem Jahr verdienst, kriegst du in drei Jahren Bundesliga nicht.«

Mokhtari galt als Vorzeigeobjekt des Typus »Abzocker«. Jetzt kam er reumütig aus Nahost zurück, wo der Fußball seiner Ansicht nach nur auf Regionalliga-Niveau gespielt wird. Es gab Gerüchte um Offerten etwa aus Karlsruhe oder von 1860 München. Nun will er in Frankfurt für umsonst spielen.

Zurück zu den Kreissparkassen!

Und der FSV? Er verpflichtete am Montag erst einmal Mokhtaris Bruder Oualid, 26, zu stark leistungsbezogenen Bezügen, wie es heißt. Auf das Angebot des älteren Youssef reagierte der Klub bislang nicht. Ein Sprecher erklärte lediglich, dass es bereits am Wochenende ein Gespräch mit dem Spieler gegeben habe, er aber seinen ungewöhnlichen Vorschlag dort nicht erwähnt hätte. Kontakt bestehe indes weiterhin.

Sollte der Kontrakt zustande kommen, darf man sich wohl auf ein fruchtbares Zusammenspiel der FSV-Spieler mit ihrem neuen Spielmacher freuen. Die Kollegen werden Mokhtari natürlich gerne den Ball auflegen, damit dieser im Winter einen gutdotierten Vertrag in der Bundesliga unterschreiben kann. Und die staunenden Manager im Bankenviertel werden auf ihre Millionen-Abfindungen verzichten. Sie werden ihren heimischen Kreissparkassen, wo sie in die Lehre gegangen sind, kompetente Hilfe anbieten. Selbstredend ohne Gehaltsforderung - bis sich endlich die Wall Street bei ihnen meldet.



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