Würde Stuttgarts Präsident vom Abstieg profitieren?

Der Konflikt

Recherchen des Kicker legen nahe, dass Stuttgarts Präsident Wolfgang Dietrich eine Beteiligung an einer Investitionsfirma zu spät beendet hat. Doch der Fall hat größere Dimensionen.

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Wer am Dienstag den Kicker in den Händen hielt, konnte die Meldung durchaus übersehen. Auf einer halben Seite, direkt neben dem Spielbericht zum 0:6 der Stuttgarter in Augsburg, schrieb das Magazin über »Dietrichs Nebelkerzen«. Und wer nach den komplizierten Begriffsnennungen von Quattrex GP S.a.r.l., General Partnern und Quattrex German Opportunities noch mit Freude weiterlas, sollte sich generell andere Fragen und vor allem an sich selbst stellen.

Dabei ist die Geschichte um den VfB-Präsidenten Wolfgang Dietrich und seine Verwicklungen in die luxemburgische Investitionsfirma Quattrex hochinteressant und könnte zugleich brisant werden für den Boss des Tabellensechzehnten der Bundesliga. Im Oktober 2016 war Wolfgang Dietrich zum neuen Präsidenten gewählt worden - für vier Jahre, mit nur 57,2 Prozent aller Stimmen und ohne Gegenkandidat. Er trat an, als einer, der »machen statt reden« und Stuttgarts Jugendarbeit zur »Nummer eins in Deutschland« machen wolle.

Union und Heidenheim im Fokus

Schon damals waren Berichte über sein privates Engagement bei Quattrex aufgetaucht, einer Firma, die mehreren Fußballvereinen mit Krediten ausstattet und im Gegenzug an Medienerlösen beteiligt wird. Hinzu kam Dietrichs Rolle als Sprecher des umstrittenen Bahnprojekts S21. Die VfB-Ultras meinten: »Das undurchsichtige Firmengebilde hinter Herrn Dietrich muss ebenfalls kritisch gesehen werden. Eine seriöse Aussage, zu welchen Vereinen noch mittelbare und unmittelbare Geschäftsbeziehungen bestehen, scheint momentan nicht möglich. Dies ist nicht nur im Hinblick auf die Satzung des VfB problematisch.«

Doch Verein und Dietrich wiegelten ab. Er habe den VfB-Aufsichtsrat noch vor seiner Kandidatur über alle einzelnen Beteiligungsverhältnisse informiert. Und auch die DFL sah die Wahl von Dietrich als »in Einklang mit den Vorgaben der Liga«. Zumal Dietrich erklärte, vier Tage nach der Wahl zum Präsidenten seine Anteile an der Quattrex GP S.a.r.l. verkauft zu haben. Anhänger des VfB Stuttgart befürchteten, dass ihr Präsident wegen privater Interessen nicht die besten Entscheidungen für den Verein treffen könnte. Denn Quattrex profitiert, wenn Union Berlin, 1. FC Heidenheim, 1. FC Kaiserlautern und Austria Wien sportlichen Erfolg haben und deshalb die Medieneinnahmen steigen. Und gerade auf Union Berlin oder Heidenheim könnte der VfB in einer Relegation am Saisonende treffen. Ein Aufstieg der Zweitligisten würde einen immensen Anstieg der Medieneinnahmen bedeuten. Und somit mehr Geld für Quattrex.

Winkelzüge

Doch wie der Kicker schreibt, hat Dietrich nicht nur seine Anteile an der Quattrex GP S.a.r.l. zwei Monate später veräußert als angegeben - ein Umstand, der sich noch mit bürokratischen Hürden argumentieren ließe. Nein, nach Recherchen des Kicker profitiert Dietrich noch immer von den Quattrex-Geschäften.

Dazu nutzen die Beteiligten ein besonderes System. Denn neben der Quattrex GP S.a.r.l. existiert laut Kicker auch die Quattrex Finance GmbH. Diese zusätzliche Firma nimmt eine sogenannte Beraterrolle ein und erhält eine Art Provision der Verträge zwischen Quattrex und den Vereinen. 2017 sollen so 271.902 Euro an die Beraterfirma gelangt sein. Der Kicker hat sich einen Auszug aus dem Handelsregister geben lassen. Wem gehört die Quattrex Finance GmbH? Die Antwort: 50 Prozent hielt bis vor einem Jahr die VMM Consulting GmbH. Ihr alleiniger Gesellschafter: Wolfgang Dietrich.