Wovon Österreichs Vizekanzler Strache träumt

Fußball-Großmacht Österreich

Der rechte Vizekanzler HC Strache will in Wien ein prächtiges Nationalstadion bauen und gemeinsam mit Ungarn eine EM ausrichten. Das erinnert an alte Großmacht-Zeiten.

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Es gibt diesen schrulligen Witz in Österreich: Graf Bobby spaziert durch den Wiener Prater, als ihm eine Gruppe von Fußballfans entgegenkommt. »Wer spielt denn heute?«, fragt Graf Bobby in leicht blasiertem Tonfall. »Österreich - Ungarn«, antwortet einer aus der Gruppe. Darauf Graf Bobby: »Aha, gegen wen denn?« Um die Pointe zu kapieren, muss man wissen, dass Österreich und Ungarn zu Zeiten der K.-u.-k.-Monarchie eine gemeinsames Großreich bildeten, wenn auch unter Vormachtstellung des österreichischen Kaisers. Das gewaltige Gebilde erstreckte sich zeitweise vom Bodensee bis nach Bosnien-Herzegowina und in die Ukraine, ehe es nach dem Ersten Weltkrieg völlig zerschlagen wurde. Übrig blieb nur die kleine, schnitzelförmige Republik Österreich, wie wir sie heute kennen und lieben.

Wenn es nach dem neuen österreichischen Vizekanzler HC Strache geht, soll sein Land jedoch bald seinen alten Großmacht-Status zurückerlangen – zumindest im Fußball. Strache, der eigentlich Heinz-Christian heißt, ist gleichzeitig Sportminister. Und als solcher trat er nun beim »9. Fußball-Kongress Österreich« in St. Pölten auf. Zwar kündigte der Moderator den Rechtspopulisten von der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) irrtümlich als Karl-Heinz Strache an. Doch der ließ sich nichts anmerken und meldete in seiner Rede gleich mal Bedarf für eine prächtige nationale Fußball-Arena in Wien an. Schließlich sei die bisherige Spielstätte eine Schande: »Das Happel-Stadion gehört niedergerissen«, verkündete Strache gleich zur Begrüßung und sprach, ganz Populist, dem Volk aus der Seele: »Wir brauchen ein Nationalstadion mit einer Kapazität, um wieder internationale Turniere ausrichten zu können. Ungarn hat vorgezeigt, wie das geht.«

»Dieser unsinnige Denkmalschutz«

Ausgerechnet Ungarn, könnte man meinen. Jenes Land, das im K.-u.-k.-Reich stets die zweite Geige spielte, darf bei der Europameisterschaft 2020 drei Vorrunden- und ein Achtelfinal-Spiel austragen. Österreich hingegen war bei der Vergabe chancenlos: Das ungeliebte, 1929 erbaute Ernst-Happel-Stadion, 2008 noch Schauplatz des EM-Finales, gilt schon lange als Ramsch-Immobilie. Mit seiner Laufbahn und seinem äußerst spröden Charme ist das gewaltige Oval irgendwie aus der Zeit gefallen. Und alle übrigen Fußball-Arenen des Landes sind, nun ja, viel zu winzig.

Strache denkt lieber groß, Spötter behaupten gar: groß-österreichisch. »Mit dem neuen Nationalstadion könnten wir uns gemeinsam mit Ungarn wieder um eine EM bewerben«, tönt er, wohlwissend, dass dieses Vorhaben schwierig werden dürfte. Problem Nummer eins ist die Finanzierung. Österreichs Wirtschaft sieht sich gerade in einer Delle. Da kommen Pläne für ein teures Prestigeprojekt natürlich zur Unzeit. Strache musste kleinlaut bekennen: »Mein freies Budget für den Sport beträgt nur 50 Millionen. Das ist sehr bescheiden.« Problem Nummer zwei ist ausgerechnet der Denkmalschutz, denn genau diesem ist das Happel-Stadion unterstellt – genauer gesagt: die mächtige Überdachung. »Ich bin verwundert, wenn ich höre, dass das Dach unter Denkmalschutz steht«, sagte Strache genervt. »Aber dieser unsinnige Denkmalschutz darf nicht schlagend werden.«