Woran hakt es bei Leverkusen?

Vollgasfußball mit Handbremse

Nicht wenige handelten Bayer Leverkusen vor der Saison als Geheimfavoriten. Der Saisonstart war jedoch eine Enttäuschung. Woran liegt das?

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In der Bundesliga läuft es für Pal Dardais Herthaner aktuell rund. Im Bundesliga-Tippspiel sehen die Aussichten für den Berliner Coach jedoch nicht so rosig aus. Die Bonus-Punkte für den richtigen Meister dürfte Dardai sich abschminken können. Dardais Meisterschaftsfavorit vor der Saison hieß – Überraschung! - Bayer Leverkusen.

Warum auch nicht? Die Bayern und Borussia Dortmund befinden sich dank neuem Trainer bzw. neuen Spielern im Umbruch. Leverkusen hingegen ist im Kern dieselbe Mannschaft geblieben, hat sich sogar noch verstärkt mit Spielern wie Kevin Volland, Julian Baumgartlinger oder Alexander Dragovic. Dardai war sicher nicht der Einzige, der Leverkusen vor der Saison als Geheimfavoriten sah.

Nun ist es mit den Geheimfavoriten ja so: Manchmal schaffen sie den großen Wurf. In den meisten Fällen bleiben sie jedoch ein Geheimnis. Leverkusen scheint so ein Fall zu sein – zu schwach war der Saisonstart, als dass man von einem Meisterschaftskandidaten reden könnte. In der Bundesliga verloren sie gegen Gladbach und Frankfurt, in der Champions League verspielten sie gegen Moskau eine 2:0-Führung. 

Roger Schmidt, der Vollgas-Trainer

Das Problem: Nicht nur die Ergebnisse stimmen nicht. Die Mannschaft von Roger Schmidt ist noch weit von dessen Ideal des Vollgasfußballs entfernt. Schmidt möchte, dass seine Mannschaft aggressiv presst. Dazu setzt er auf ein 4-4-2-System, das eine hohe Kompaktheit besitzt und viel Laufarbeit für die Stürmer bedeutet. 

In seiner ersten Leverkusener Saison trieb Schmidt den Pressing-Wahn so weit, dass seine Mannschaft in den letzten Minuten regelmäßig zusammenbrach. In der vergangenen Saison mischte er aggressive Angriffspressing-Phasen mit einem etwas passiveren Mittelfeldpressing. Mit Erfolg: Leverkusen etablierte sich als Nummer Drei der Liga.

Pressing ohne Vollgas

Von diesem Vollgas-Pressing ist derzeit wenig zu sehen. Leverkusen steht zwar immer noch in einem hohen 4-4-2, durch Änderungen in den Details agieren sie jedoch weitaus weniger aggressiv als in den vergangenen Jahren. So rücken die Außenverteidiger nicht mehr so aggressiv nach vorne, sondern halten sich im Pressing zurück. Auch die Stürmer nehmen eine passivere Rolle ein. Pressing light, sozusagend.

Das zweite Problem: Kaum ein Gegner lässt sich mehr auf das Leverkusener Vollgas-Spiel ein. Wer kontrollierten Spielaufbau betreibt, lässt sich leicht in eine Leverkusener Pressingfalle locken. Eintracht Frankfurt fuhr am Wochenende gut damit, nach Ballgewinnen sofort risikoreich in die Spitze zu spielen. Leverkusens Gegner kalkulieren ein, dass sie eine geringe Passquote haben. Leverkusens Alleinstellungsmerkmal Pressing nützt ihnen in der Liga wenig.