Woher kommt die »Humba«?

Wini wini wana wana

Für die aktuelle Ausgabe von 11FREUNDE sprachen wir mit den Mainzer Machern Strutz und Heidel auch über die legendäre »Humba« aus dem FSV-Block. Wo liegt der Ursprung dieses längst bundesweit verbreiteten Stadion-Erlebnisses? Woher kommt die »Humba«?
Heft#95 10/2009
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Die deutschen Europameisterinnen taten es kürzlich in Frankfurt. Lukas Podolski und die Nationalmannschaft taten es zuletzt bei der Euro 2008 in Bern. Und selbst Oliver Kahn forderte einst sich hinzusetzen (»Hinsetzen!«), ihm die fünf Buchstaben zu geben (»Gebt mir ein H!«), um anschließend enthemmt mit den Fans im Quadrat zu hüpfen.

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Entgegen der landläufigen Annahme feierte „»Humba Täterä«, wie der Song im Original heißt, seine Premiere nicht im Fußballstadion. Das Stück wurde aus dem Mainzer Karneval importiert und mittels Megaphon zu einem wichtigen Element des modernen Stadionjubels. Nicht zuletzt durch die prosperierende »Ultra«-Bewegung.  

Wem haben wir das zu verdanken? Einem Kerl mit dem wunderlichen Namen Ernst Neger.
Ernst Neger war in seinem Leben schon Dachdeckermeister, Schlagersänger und Träger des Bundesverdienstkreuzes. Seine Berühmtheit erlangte er als Ikone der Mainzer Fastnacht. Mit Titeln wie »Heile, heile Gänsje« und »Wini wini wana wana« erfreute er die schunkelnden Herzen der Mainzer. Zu wahrer Unsterblichkeit brachte ihn 1964 aber erst sein Auftritt in der ARD-Sendung »Mainz wie es singt und lacht«: Das von Toni Hämmerle komponierte und erstmals gespielte »Humba Täterä« entzückte das Saalpublikum dermaßen, dass die Sendung um eine Stunde überzogen werden musste. Hämmerle wurde zum Spitzenverdiener; alleine das „Humba"-Lied brachte ihm knapp 60.000 D-Mark Tantiemen ein. Und die „Bild“-Zeitung berichtete, dass deutsche Entwicklungshelfer in Afrika fortan Aufklärungsarbeit leisten mussten: Die Einheimischen hielten den Song im stampfenden Rhythmus nämlich fälschlicherweise für die deutsche Nationalhymne.

60.000 D-Mark für die erste »Humba«

Noch heute sind Negers Lieder Bestandteil jeder Mainzer Karnevalssitzung. Knapp dreißig Jahre  nach der Uraufführung adaptierten die Fans den Hit für das Fußballstadion. Der »Karnevalsverein« aus Mainz, der das von gegnerischen Fans eigentlich als Provokation angedachte Image freiwillig übernahm, feierte seit Mitte der Neunziger Jahre seine Siege mit der Zelebrierung der »Humba«. »Das ist schon ein Stück Mainzer Lebensfreude. Gibt es eine bessere Auszeichnung für unsere Fans, für Mainzer, als dass die deutsche Nationalelf das beim letzten Spiel in Wembley vor der deutschen Kurve gezeigt hat?«, freute sich Präsident Harald Strutz kürzlich im 11FREUNDE-Interview. 

Die »Humba« wurde spätestens 2008 nach dem EM-Viertelfinalsieg der Deutschen gegen Portugal einem bundesweiten Publikum bekannt: Lukas Podolski, passenderweise Sohn der Karnevalshochburg Köln, forderte die Fans damals vor den laufenden Fernsehkameras im Basler St. Jakob-Park zum kollektiven »Hinsetzen!« auf.

»Da lasse ich mich lieber auspfeifen«

Mittlerweile gehört die »Humba« in allen deutschen Stadion Deutschlands zum gängigen Fan-Repertoire. Doch nicht alle zeigten sich erfreut von dem Rheinland-Pfälzischen Glücksgefühl. Rudi Völler etwa kritisierte, dass durch die zunehmende Inszenierung des Spiels der eigentliche Fußball in den Hintergrund rücke: »Da führen die Bayern 4:0, und von den Mainzer Fans kommt ein 'Humba, Humba, täterä'. Es kann doch nicht wahr sein, dass bei so einem Spielstand Partystimmung herrscht. Da lasse ich mich lieber beschimpfen oder auspfeifen.«

Oliver Kahn schien – zumindest nach Siegen – anderer Meinung zu sein. Dann gönnte sich der auch der »Titan« seine »Humba«. Und hinterließ einen verwunderten Trainer Ottmar Hitzfeld: »Ich war überrascht, wie der Oliver da herum gehüpft ist.» Was wohl Ernst Neger gesagt hätte?


Der Hit im Original




Unsere Humba-Top-5

1. Oliver Kahn, die Humba („Wie heißt das noch mal?“) als Imperativ



2. Artus W., das Sexsymbol aus Ostwestfalen




3. Humba-Nachhilfe für Logan Bailly




4. Owomoyela mit ein paar Schwierigkeiten




5. Butschers Stimme überschlägt sich »leicht«