Wörterbuch Amateurfußball - Deutsch

War richtig so!

Immer wieder sonntags schallen dieselben Sprüche über die Amateurplätze der Republik. Doch was will uns der Coach mit »klare Bälle« sagen? Und hat jeder Gegenspieler wirklich »schon Gelb«? Hat zumindest alle Antworten: das 11FREUNDE-Amateurwörterbuch.

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»Zeit, viiieeeel Zeit.«

Bedeutung: Der ballführende Spieler hat (k)einen Zweikampf zu befürchten. Optimistischer Hinweis für eben jenen Akteur, häufig vom Trainer. In der Regel nur Bruchteile von Sekunden später von panischen »Hintermann!« rufen und häufig dem Ballverlust gefolgt.

Beispiel: »Ruhig, Kalli, hast Zeit. Viiiieeel Zeit. (murmelnd) Ach du Kacke. (schreiend) HINTERMANN! HINTERMANN! Kalli spiiieeeel! (wieder murmelnd) Verdammt.«

»Kannste schießen lassen!«

Bedeutung: Von ihm geht keine Gefahr aus. Häufig verwendet in Kombination mit »Der kann nix!« und des Öfteren gefolgt von einem absoluten Traumtor des gemeinten Spielers. Mehr Spekulation als tatsächliches Wissen über den Gegner.

Beispiel: »Der Neuner kann nix. Dat isn Chancentod, den kannste auch ma schießen lassen.« 

»Klare Bälle!«

Bedeutung: - . Nichtssagender Ausruf des Trainers, wenn wieder ein Pass nicht die Linie entlang, sondern ins Seitenaus läuft. Soll Autorität suggerieren und Ratlosigkeit überspielen, transportiert aber, anders als die Wortwahl glauben macht, keine klare Message. Der nächste Pass geht folglich auch ins Aus.

Beispiel: »Männers, wir brauchen klaaare Bälle! Klare Bälle bra...ach Scheiße.«

»War richtig so.«

Bedeutung: Macht nichts. In der Regel vom Trainer benutzt, um den Adressaten aufzumuntern. War normalerweise nämlich nicht »richtig so«. Wird eingesetzt, um das nach zahllosen Fehlpässen, verlorenen Zweikämpfen und abgerutschten Distanzknallern bereits stark in Mitleidenschaft gezogene Selbstvertrauen der Spieler nicht noch weiter zu belasten.

Beispiel: »Macht nix, Holger, war richtig so.« (Zur Auswechselbank gewandt:) »Mach dich bereit, Timo. Beim Holger läuft heute nicht.« 

»Ein Zeichen setzen.«

Bedeutung: (Grob) Foulspielen. Häufig als Aufforderung vom Trainer an der Seitenlinie oder den Teilzeitalkoholikern hinter den Wellenbrechern, wenn die adressierte Mannschaft deutlich unterlegen ist. »Zeichen« meint hier je nach Spielsituation und -stand zum Beispiel Blutgrätsche, Ellenbogencheck oder Flying Clothesline. Lässt Interpretationsspielraum für den Adressaten.

Beispiel: »Dat kann so nich weitergehn. Roman! Setz mal n Zeichen da! Trittn um!«