Wo ist der Bundestrainer abgeblieben?

Warum Joachim Löw nicht aus der Deckung kommt

Löw hat eigentlich nie in den Wettkampfmodus gefunden. Erst ließ er keine Diskussion um das unglückliche Foto seiner beiden türkischstämmigen Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem Autokraten Erdogan zu, dann setzte er im WM-Trainingslager das Leistungsprinzip außer Kraft, indem er angeschlagenen Weltmeistern wie Neuer, Boateng und Özil den jungen, aufstrebenen Confed-Cup-Siegern wie ter Stegen, Süle und Brandt vorzog. Schließlich ließ er sich von einem mexikanischen No-Name-Coach überrumpeln, sein Team wackelte gegen Schweden gewaltig, und er hatte letztlich auch gegen Südkorea keinen Plan. Ja, davon kann man sich schon erholen müssen.

Spöttisch könnte man meinen, Löw mache jetzt den Özil. Zwei Monate sind seit dem Fototermin mit Erdogan vergangen, bis heute hat Özil sich dazu nicht verhalten. Und zwei Monate werden nach dem deutschen WM-Aus vergangen sein, ehe Löw Ende August sein Schweigen zu brechen und seine Analyse vorzulegen gedenkt.

Radikalität war nie seine Stärke

Das Fußballvolk hat sich längst eine Analyse gemacht. Jetzt müssen Köpfe rollen, stand in einigen Zeitungen. Doch Radikalität in personellen Angelegenheiten hat noch nie zu den Stärken Löws gehört. Nun wird Löw genau die an den Tag legen müssen. Er wird nicht umhin kommen, einigen seiner Weltmeister jene Konsequenz anzutun, die er für sich ausgeschlossen hat. Dabei spielt es weniger eine Rolle, ob er den jeweiligen Spielern einen freiwilligen Rückzug ans Herz legt oder sie einfach nicht mehr einlädt zu Spielen, womit die Nationalmannschaftskarriere auch beendet wäre.

Das Dumme für Löw ist, dass er jetzt etwas Sichtbares vorweisen muss. Weil er bleibt, müssen andere gehen.

Hallo, jemand da?

Eigentlich kann das nicht gut gehen. Löw kann gar nicht all die Wünsche des Fußballvolkes erfüllen. Reichte es, sich vom Mannschafts-Orthopäden Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt zu trennen, der bei der nächsten WM in Katar 80 Jahre alt wäre?

Herr Löw, wir würden gern etwas von Ihnen hören und erfahren, wie es weitergehen soll. Doch solange Joachim Löw schweigt, wird es keinen neuen Sachstand geben. Und ohne diesen gibt es keine sachliche Diskussion. Die wenigen, die sich aus der Deckung wagten wie Teammanager Bierhoff oder Grindel, mussten ja fast schon versagen.

Vielleicht hat Löw das mitgekriegt - und lässt sich treiben.