Wissenswertes über Norwegen

Elch für Elch ein Elch

Es gibt viele Elche in Norwegen, und instinktiv werden auch große norwegische Profis »Elch« genannt. Doch Deutschlands Testspielgegner hat mehr zu bieten als bräsige Paarhufer. Hier eine Einführung in die Fußballkultur des Landes. Wissenswertes über NorwegenImago Der bekannteste Norweger, wenn nicht sogar der bekannteste Mensch der Welt war für eine Sekunde Ole Gunnar Solskjaer. Er war es, der in der 93. Minute des Champions-League-Finales 1999 das 2:1 für Manchester United gegen Bayern München schoss. Die Fans singen ihm zu Ehren noch heute inbrünstig: »Who put the ball in the Germans' net?« Ein Lied, bei dem sich Thorsten Fink Wachs in die Ohren gießt.

Zum besten norwegischen Fußballer der letzten 50 Jahre wurde dennoch nicht Solskjaer gewählt, sondern der ehemalige Bremer Libero Rune Bratseth. Bratseth ist auch Rekordgewinner des »Kniksenprisen«. Er durfte diese Auzeichnung für Norwegens Fußballer des Jahres gleich drei Mal in Empfang nehmen.

Nach Bratseth benannte sich eine Düsseldorfer Punk-Band. Die rät in ihrer Presssinfo: »Fragt mal in der Nachbarschaft nach, ob die Milch im Kühlschrank sauer geworden ist, ob die Katze plötzlich gestorben ist oder krankhafte Eifersucht herrscht – dann könnten BRATSETH in der Nachbarschaft gespielt haben!« Ob Bratseth, der Libero, zu Hause in Trondheim CDs der nach ihm benannten Kapelle stehen hat, ist zwar nicht bekannt, aber durchaus unwahrscheinlich.

[ad]

Mit seinen Landsleuten, die ebenfalls im Ausland spielten und mindestens 1,90 Meter maßen, teilt Rune Bratseth das Schicksal, den Spitznamen »Elch« tragen zu müssen. Bratseth nahm's gelassen: Er duldete sogar, dass man über seinem Platz in der Bremer Kabine ein Elchgeweih anbrachte.

Wahrscheinlich wurde Tore André Flo mit seinen stolzen 1,93 Meter auf sämtlichen Auslandsstationen ebenfalls »Elch« gerufen. Doch Flo war ungleich torgefährlicher als der bräsige Paarhufer aus den Weiten der Tundra: Ende der 90er ebnete er dem FC Chelsea den Weg an die Spitze der englischen Liga. Noch 2007, mit 34 Jahren, wechselte er zu Leeds United. Da der klamme Klub ihn nicht hätte bezahlen können, übernahm die Band »Kaizer Chiefs« das Finanzielle.

Der dubiose Spitzname war schon an Bratseth vergeben, als Tore Andrés Cousin Havard 1996 nach Bremen kam. Der bullige Stürmer schoss den Verein in drei Spielzeiten auf einen achten, einen neunten und einen dreizehnten Platz und hat heute wie alle Werder-Spieler jener durchwachsenen Zeit das Pech, nur sehr selten in Heldengeschichten vorzukommen.

»Elch« genannt zu werden, das blieb auch Jahn Ivar Jakobsen erspart. Aus anderen Gründen: Der ehemalige Nationalspieler, über den sich 1993 in zwei Bundesligapartien auch die Fans des MSV Duisburg freuen durften, misst nur 1,68 Meter – und ließ sich deshalb ganz offiziell in »Mini« umbenennen.

»Mini« beendete seine Karriere 1999 bei Rosenborg Trondheim – nachdem er noch fünfmal norwegischer Meister geworden war. Insgesamt errang Trondheim dreizehn Mal in Serie die Trophäe, in der Champions League gelangen sogar Siege gegen den AC Milan, Real Madrid und Bayern München.

Der wohl beste Spieler in der Geschichte Rosenborg Trondheims war Odd Iversen, der Vater des auch nicht unbegabten Steffen Iversen. Odd schoss ab den späten 60er Jahren stolze 158 Tore für Rosenborg, wurde viermal Torschützenkönig und war der erste Spieler in der Geschichte des norwegischen Fußballs, dem die Ehre eines Abschiedsspiels zuteil wurde.




Erfolgreichere Torschützen waren nur Petter Belsvick und Harald Brattbakk. Brattbakks Bilanz von 166 Toren in 255 Spielen gilt als ähnlich unerreichbar wie die von Gerd Müller in der Bundesliga. Am 21. November 2006 hielt die Nation den Atem an: Brattbakk gab im Fernsehen offiziell sein Karriereende bekannt – und verkündete, er werde von nun an als Pilot arbeiten. 2008 dann das überraschende Comeback bei Kolstad-Fotball in der 3. Liga, für das er aber nur spielt, wenn sein Job bei der Küstenwache es zulässt.

Brattbakk hin, Solskjaer her: Der abgewichsteste norwegische Stürmer aller Zeiten war Jan Åge Fjørtoft. Niemand, der dabei war, wird wohl je vergessen, wie er in Diensten von Eintracht Frankfurt am 29. Mai 1999 mit einem sensationellen Übersteiger zum 5:1-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern in der letzten Spielminute seinem Verein den Klassenerhalt sicherte. Aus einem April-Scherz heraus hat sich in deswegen seit April 2007 eine echte Initiative zur Umbenennung des Walther-von-Cronberg-Platzes in »Jan-Aage-Fjørtoft-Platz« gegründet.

Verwandte Artikel