Wird nach Blatters Rücktritt alles gut?

»Wie will man das System verändern?«

Blatter betonte in den vergangenen Jahren oft, dass er nicht käuflich sei. Man mag sich über diesen Satz wundern, letztendlich ist es aber erst einmal nebensächlich, ob der Schweizer direkt in die halbseidenen Geschäfte und Geldtransfers einbezogen war, denn es war schließlich Blatter, der ein System schuf und schützte, das genau diese halbseidenen Geschäfte und Geldtransfers ermöglichte. Einen intransparenten Apparat, der funktionierte wie eine schrecklich nette Familienangelegenheit.
 
Das beginnt mit der »One-Country-One-Vote«-Regel, nach der bei Wahlen alle 209 Fifa-Mitgliedsländer abstimmen können und alle gleichberechtigt sind – der DFB als größter Verband der Welt genauso wie Tonga und Anguilla. Oder der Sudan, der im weltweiten Korruptionsindex 2014 auf Platz 173 lag. Schenk von »Transperancy International« schlussfolgerte hierzu im Interview mit 11freunde.de: »Wenn ein Staat korrupt und instabil ist, glauben Sie, dass sich dort dann ein integrer Kandidat Präsident des Fußballverbandes wird.«

Natürlich erhalten auch alle Länder die gleichen Tantiemen. Ende 2014 überwies Blatter gut eine Million Dollar an jeden der 209 Mitgliedverbände. Für den DFB deckt das die Ausgaben für das Catering eines Länderspiels, in Tonga dürften sie einen Blatter-Schrein errichtet haben: Oh, du guter Sepp, tanzender Gönner vom Zürichberg. Wen interessiert es schon, dass das Image des Mäzens nicht das beste ist?

»Das System der Günstlingswirtschaft durchbrechen«
 
Jens Weinreich, Journalist und Fifa-Kenner, zeichnete in der Februar-Ausgabe von 11FREUNDE ein ernüchterndes Bild des Weltverbandes. Die Fifa, so Weinreich, brauche keine Evolution, sondern eine Revolution: »Um das System der Günstlingswirtschaft zu durchbrechen, wäre das Ende des Prinzips ›Ein Land, eine Stimme‹ nötig.« Allein welcher Präsidentschaftskandidat tritt schon gern mit dem Slogan an: »Mehr Macht den Großen, weniger den Kleinen«?
 
Selbst Franz Beckenbauer, der zwischen 2007 und 2011 im Fifa-Exekutivkomitee saß, merkte kürzlich an, dass das System »uneben« sei. Er sagte: »Wie will man es verändern? Sie wissen ja, wie so was geht.«
 
Wenn man diesen Satz liest, scheint es, als habe die Krise gerade erst begonnen.