Wird nach Blatters Rücktritt alles gut?

Der Systemfehler

Der Jubel nach Sepp Blatters Rücktrittsrede war groß. Aber wird sich nun wirklich etwas ändern? Kaum zu glauben.

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Ganz am Ende, nachdem Sepp Blatter seinen Rücktritt erklärt hatte, verließ er die Bühne still und leise. Keine Nachfragen, keine Antworten, nur diese kurze Ansprache, die Nachricht vom Rücktritt, die sich in Sekundenschnelle um die ganze Welt verbreitete.
 
Schon vor der außerplanmäßigen Pressekonferenz hatte Walter de Gregorio, Mediendirektor des Weltverbandes, zur Begrüßung erklärt, dass Sepp Blatter eine Rede halte und danach keine Fragen erlaubt seien.
 
Es war keine Überraschung, denn was hätte man auch anderes erwarten können? Blatter hat sich 17 Jahre lang tausende Fragen angehört. Er wurde mit Kritik, Vermutungen und Fakten konfrontiert – eine erhellende Antwort blieb er bis zuletzt schuldig. Mal wand er sich, mal lächelte er vielsagend, mal sagte er Sätze wie: »Ich, der Oberwalliser Bergler, bin in meiner Gutgläubigkeit schlimm enttäuscht worden.« 17 Jahre! 6203 Tage!

»Das ist eine absolut ekelhafte Erklärung«
 
Neulich noch wagte es wieder mal ein Reporterteam der ARD, das für eine Recherche zum Film »Der verkaufte Fußball« einer Pressekonferenz beiwohnte. Es ging um den Fifa-Funktionär Issa Hayatou, der nachweislich 1,5 Millionen Dollar Schmiergelder erhalten hatte. Blatter entgegnete: »Das ist eine absolut ekelhafte Erklärung. Ich weise das zurück.« Auf erneute Nachfrage folgte Schweigen.
 
Sepp Blatter soll ja ein sehr fröhlicher Mensch sein, der das, was über ihn geschrieben wird, gar nicht an sich ranlässt. Er tanzt zum Beispiel sehr gerne. Das hat Guido Mingels kurz vor dem Confed-Cup 2013 im »Spiegel« geschrieben. Die Forderungen nach Blatters Rücktritt waren in jenen Monaten mal wieder sehr laut. Die Menschen auf den Straßen protestierten gegen einen Sportverband, der wie eine Armee in ihr Land marschiert war, der Bevölkerungsgruppen verdrängt, Arbeiter ausgebeutet und Fantasiebeträge in Bauvorhaben gesteckt hatte.

»Die Welt will seinen Kopf, und Blatter tanzt«
 
Jeden Morgen also, schrieb Mingels stehe der Fifa-Präsident um 6 Uhr auf, stelle das Radio auf einen Popsender und tanze durch seine riesige Wohnung am Zürichberg: »Vielleicht ist in diesem Bild schon alles enthalten. Die Welt will seinen Kopf, und Blatter tanzt.«
 
Es war seine kleine Bühne. Sein Terrain, auf dem er den großen Auftritt probte. Vielleicht sinnierte er derweil darüber, wie er den US-Präsidenten Barack Obama mal warten ließ oder vom russischen Präsidenten Wladimir Putin wie ein Staatsoberhaupt hofiert wurde.
 
Schon ein Blick in alte Ausgaben des offiziellen Fifa-Magazins lässt erahnen, wie sehr er sich in seiner Position, an der Spitze der Macht, gefiel. Zu seinem 70. Geburtstag prangte sein Foto nicht nur auf der Titelseite des Magazins, es gab zudem 33 Abbildungen Blatters. Er war dort neben Ronald Reagan, Nelson Mandela oder Kofi Annan zu sehen.