Wird Co-Trainer Marcus Sorg zum entscheidenden Mann der WM?

Assistent im Ohr

Bei der Weltmeisterschaft in Russland dürfen die Nationaltrainer erstmals mit ihren Mitarbeitern auf der Tribüne kommunizieren. Wir dürfen uns also auf einen Marcus Sorg mit Headset freuen. 

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Eine Zeitlang gehörte es in Deutschland geradezu zum guten Ton, sich über Berti Vogts lustig zu machen. Zuletzt war dieses Phänomen um die Jahrtausendwende zu beobachten, als Vogts Bayer Leverkusen trainierte.

Bei Spielen seiner Mannschaft schickte er Pierre Littbarski, einen seiner beiden Assistenten, in der ersten Halbzeit zur Beobachtung auf die Tribüne. Heute macht das jeder halbwegs ambitionierte deutsche Zweitligist, damals aber wurde Vogts für seine Idee auf das Heftigste verspottet. Manchmal ist die Zeit eben einfach noch nicht reif für bestimmte Ideen.

So ganz allerdings stimmt das nicht. Denn schon zehn Jahre zuvor hatte Vogts selbst den sogenannten Tribünenadler gemacht. Es war bei der Weltmeisterschaft 1990, die für den deutschen Fußball bekanntlich mit dem Titelgewinn endete. Und anders als es erzählt wird, verließ sich der damalige Teamchef Franz Beckenbauer eben nicht nur auf die Kraft seiner Ausstrahlung; er arbeitete tatsächlich akribisch am Detail. Und dazu gehörte auch, dass Berti Vogts bei den Spielen der Deutschen auf der Tribüne saß und seine Erkenntnisse per Funkgerät an die Bank weiterleitete.

Es geht um »handliche mobile Geräte«

Möglicherweise hat sich der DFB damals in einem rechtlichen Graubereich bewegt; möglicherweise aber gab es 1990 mangels Notwendigkeit auch noch gar keine Fifa-Regelung für die Nutzung technischer Hilfsmittel. Wie auch immer: Schon jetzt, schlappe 28 Jahre später, hat das Regelboard Ifab Vogts Spionagetätigkeit gewissermaßen nachträglich legalisiert.

Bei der WM in Russland dürfen die Nationaltrainer mit ihren Assistenten auf der Tribüne erstmals miteinander kommunizieren; sie dürfen »handliche mobile Geräte« nutzen und darauf Informationen empfangen. Von Marcus Sorg und Thomas Schneider, den beiden Co-Trainern der Nationalmannschaft, wird man in den kommenden Wochen Bilder sehen, die sie mit einem Headset auf dem Kopf zeigen. Von ihrem Chef Joachim Löw ganz sicher nicht.

In Löws Trainerteam nimmt Sorg schon jetzt die Vogelperspektive ein. Er schaut in der ersten Hälfte von der Tribüne aus zu, eilt in der Pause in die Kabine und berichtet der Mannschaft von seinen Erkenntnissen. »Es hat sich bewährt, in der ersten Halbzeit oben zu sitzen und einen gewissen Überblick zu haben«, sagt der 52-Jährige. »Das ist für uns ein gutes Tool.« Künftig hat er sogar die Möglichkeit, »diese Informationen dem Trainerteam direkter und schneller zukommen zu lassen«, in Echtzeit quasi. Einen Praxistest hat es noch nicht gegeben, schon weil dem DFB die Technik erst bei der WM zur Verfügung stehen wird.