Wird alles besser mit dem neuen DFB-Präsidenten?

Duuu, Chef....

Reinhard Grindel wird heute zum neuen DFB-Präsidenten gewählt. Wünsche an ihn gibt es schon einige.

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Sig Zelt, Sprecher von Pro Fans

Wir aktiven Fußballfans hätten schon ein paar Wünsche an den neuen DFB-Präsidenten, aber nach den Erfahrungen der Vergangenheit sage ich: Unsere Erwartungen sind gering. Im Herbst haben sich alle Fanorganisationen geschlossen aus der Arbeitsgemeinschaft Fanbelange des DFB zurückgezogen. Das war die Konsequenz daraus, dass unsere Arbeit praktisch keine konkreten Ergebnisse zur Folge hatte und sich keine unserer Vorstellungen in den Beschlüssen wiedergefunden hat. Im Gegenteil: Die Stadionverbotsrichtlinien sind sogar verschärft worden, und auch das Paket zum sogenannten Sicheren Stadionerlebnis ist beschlossen worden, ohne dass die AG einbezogen worden war.

Wir aktiven Fußballfans sind weiterhin dialogbereit. Aber es reicht nicht, uns nur schön zuzuhören. Wir wünschen uns auch eine innere Bereitschaft, unsere Belange zu berücksichtigen. Kurioserweise ist das bei der DFL zumindest in Ansätzen zu erkennen. Beim DFB erkenne ich im Moment gar nichts. Deshalb ist es auch kein Zufall, dass sich der Protest in den Stadien zurzeit eher gegen den DFB richtet. Dass eine neue Person an der Spitze viel bewirken kann, hat Theo Zwanziger gezeigt. Die AG Fanbelange, damals noch Fandialog, wurde vor acht Jahren von ihm persönlich initiiert.

Trotzdem habe ich wenig Hoffnung, dass sich unter dem neuen Präsidenten etwas ändert. Im DFB herrscht ein Klüngel älterer Herren, die relativ beratungsresistent sind.

Philipp Köster, Chefredakteur von 11FREUNDE

Allerhöchste Zeit, dass Reinhard Grindel endlich DFB-Präsident wird! Der charismatische Hamburger mit der gewinnenden Art wird endlich die Ära der farblosen Anzugträger beim Deutschen Fußballbund beenden und mal wieder richtigen Schwung in die verstaubte Funktionärsbutze im Frankfurter Stadtwald bringen. Er wird noch mal im Aktenschrank nachschauen und zufällig die fehlenden Kontoauszüge zur WM-Bestechungsaffäre finden.

Er ruft bei Oliver Bierhoff an und verklickert ihm, dass er diesen ganzen affigen »Die Mannschaft«-Marketingquatsch rund um die Nationalelf sein lässt. Er ordnet an, dass beim DFB-Pokalfinale nicht direkt nach dem Spielende bumslaute Rummelmusik durch die Lautsprecher gejagt wird, sodass die Fans in Ruhe singen können. Er fördert den Frauenfußball, ohne sich dabei wie sein Vorgänger Theo Zwanziger penetrant als einziger Frauenversteher weltweit feiern zu lassen.

Er tut nicht ständig so, als habe er persönlich das entscheidende WM-Tor erzielt wie einer seiner Vorgänger (keine Namen, das wäre unfair gegenüber Wolfgang Niersbach). Er sorgt dafür, dass Fans Tickets für die EM kaufen können, ohne dafür vorher in eine lebenslange Knebelmitgliedschaft beim Nationalmannschafts-Fanklub einzuwilligen. Er weist Joachim Löw in herrischem Ton an, den Eisenfuß Robert Huth aus Leicester für die EM in Frankreich nachzuverpflichten.

Und er befiehlt handstreichartig, dass die stillosen Auswärtstrikots der Nationalelf gegen einigermaßen tragbare Leibchen ausgetauscht werden. Kurzum: Reinhard Grindel wird der beste DFB-Präsident der Welt und aller Zeiten. Ganz eventuell. Möglicherweise. Vielleicht aber auch nicht.

Bernd Schröder, seit 1971 Trainer von Frauen-Bundesligist Turbine Potsdam

Mein Anliegen an Herrn Grindel ist, dass er eng mit der Basis, sprich mit den Landesverbänden, zusammenarbeitet, denn da spielt die Musik und nicht nur im Leistungsfußball der Männer. Natürlich wünsche ich mir auch, dass der Frauen- und Mädchenfußball wieder stärker ins Blickfeld rückt und die Zusammenarbeit mit der Amateurbasis allgemein besser wird.

Da hatte es zuletzt in der Ära Niersbach doch Defizite gegeben. Insgesamt denke ich, dass wir beim Frauenfußball sehr gut aufgestellt sind. Gerade deshalb darf man jetzt nicht nachlassen.