Wir waren bei der »Kick Off 2«-Weltmeisterschaft in Schweden

»Ich kann in jedes Land Europas fahren, überall habe ich Freunde«

Oder Steve Campbell, der als Einziger seit der ersten WM 2001 dabei ist, hauptberuflich als Spieleprogrammierer arbeitet und in seiner Freizeit knapp eintausend Arbeitsstunden in die Umprogrammierung von Kick Off 2 gesteckt hat, um das Spiel von leidigen Bugs zu befreien, »World Cup Landskrona 2017« auf die Banden zu programmieren und Statistiken einzubinden, etwa zu Torschüssen und Spielverlauf, die von den Spielern mit großem Interesse gelesen werden. »Mittlerweile kann ich gar keine echten Fußballspiele mehr sehen, weil sie so langsam sind. Ich werde wütend, weil alles so lange dauert«, sagt Campbell, aber dass er wirklich wütend werden könnte, nimmt man diesem ruhigen, melancholischen 46-Jährigen, den die anderen den »Hacker« nennen, nicht ab.

»Einmal im Jahr sind wir für ein Wochenende wieder Kinder, das ist doch toll«, sagt er und rüttelt wie zum Beweis an seinem Joystick. Er will so lange kommen, wie die Turniere stattfinden, so viel stehe fest. Allerdings könnte man darüber mutmaßen, wie lange das noch der Fall sein wird. Die Spieler sind allesamt in ihren Vierzigern, neue rücken verständlicherweise kaum nach, auch wenn der ein oder andere Teilnehmer seine Kinder an das Spiel heranzuführen versucht, natürlich mit eher überschaubarem Erfolg. Oliver Stender sagt: »Man wird uns noch in Rollstühlen zur WM fahren. Vorher geben eher die Amigas auf. Aber dann spielen wir es auf dem Computer, Steve Campbell hat eine PC-Version programmiert. Auch wenn dann das Amiga-Feeling fehlen würde, aber das wäre egal.«

»Ich kann in jedes Land Europas fahren, überall habe ich Freunde«

Auch Jørn Meinertz wischt den Gedanken an ein Ende der Turniere zur Seite wie ein lästiges Insekt. »Sieh dir das doch an«, sagt Meinertz und zeigt in den schlauchartigen Raum, in dem 32 Männer sitzen, manche mit ihren Ehefrauen im Schlepptau, die Beckerfaust machen, wenn sie treffen, schreien, wenn sie ein Tor kassieren, und an ihren Joysticks reißen wie an einer Weinflasche, in der der Korken klemmt. »Ich kann in jedes Land Europas fahren und überall habe ich gute Freunde. Vor Kurzem war ich spontan in Italien. Ein, zwei Anrufe und ich hatte einen Schlafplatz, ein Kick-Off-Turnier und ein großartiges Wochenende.«

Ein großartiges Wochenende hat Meinertz auch bei der WM 2017, die er irgendwo im Mittelfeld des Klassements abschließt, was ihn nicht groß zu kümmern scheint. Der Wahl-Georgier Stender wird Sechster, was er mit einem knappen »Ich habe alles abgerufen. Mehr war nicht drin« kommentiert und sich das erste Bier des Turniers gönnt. Und auch für Rekordweltmeister Gianni Torchio reicht es nicht zum Titel. In einem umkämpften und denkbar knappen Finale muss er sich dem Schachspieler Nielsen geschlagen geben, mit nur einem Tor Unterschied. An der Übertragungsrate des Röhrenfernsehers, so viel ist klar, wird es aber nicht gelegen haben.