Willi Lemke schreibt Brief an Otto Rehhagel

Ein kollegiales Verhältnis

Wir hatten über all die Jahre ein sehr kollegiales, aber kein kumpelhaftes Verhältnis. Das passte gut zu uns beiden und es hat bestens funktioniert. Ich glaube, es hat in all den gemeinsamen Jahren nur ein einziges Mal zwischen uns kurz und heftig gekracht. Obwohl Sie ansonsten Konflikte nicht unbedingt meiden. Die Medien haben dies immer wieder zu spüren bekommen. Ihre Sticheleien und Attacken gegen Reporter sind fast schon legendär. Wenn Sie den Journalisten lieber aus dem Weg gehen wollten, machten Sie mich zum Presse-Abwehr-Chef. Das war nicht immer einfach, aber ich wusste, wofür ich es tat.

Lieber Trainer, in einer Würdigung Ihrer so beeindruckenden Lebensleistung anlässlich Ihres 75. Geburtstages darf die starke Frau an Ihrer Seite nicht fehlen. Ihre Frau Beate ist nicht nur ein wunderbarer Mensch, sie hat auch großen Anteil an Ihren Erfolgen. Sie hat sich immer wieder mit Rat und Tat  fruchtbringend in Ihre Arbeit eingemischt. Ich bin sicher, ihr Gespür für Menschen, für deren Stärken und Schwächen hat den fussballerischen Sachverstand des Trainers ergänzt und dazu beigetragen, Spieler auszuwählen und Mannschaften zu formen, die auch menschlich zueinander passten. Ich bitte Sie, Ihre Frau ganz herzlich von mir zu grüßen.

Es sind nun schon viele Jahre ins Land gegangen, seit Sie Bremen verlassen haben. Aber die Erinnerung an die erfolgreiche Zeit ist hier immer noch präsent. Man denkt nicht nur an die glorreichen Zeiten im Fußball, auch an den Trainer, der morgens im Innenstadt-Cafe seine Zeitungen las oder der  mit dem Intendanten des Theaters plauderte und fachsimpelte. Sie waren damals  fast noch populärer als der Verein, für den sie gearbeitet haben. Das lag nicht nur an den Erfolgen, die Sie den Fußballfreunden hier beschert haben, das lag auch daran, wie sie hier gelebt und mit der Mannschaft gearbeitet haben.

Vielen, herzlichen Dank dafür. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Frau noch viele schöne gemeinsame Jahre

Ihr
Willi Lemke