Wieviel Diskriminierung es bei der WM gibt

»WM 2018 Watch«

Doch es gibt nicht nur eine Flut von patriotischen oder gar nationalistischen Posts und Produkten, deswegen verfolgt Hanna vom Blog »WM 2018 Watch« mit ihren Mitstreitern einen etwas anderen Ansatz. Hier werden vorrangig alle homophoben, sexistischen oder rassistischen Ausfälle während des Turniers gesammelt. Den Blog gibt seit zwei Jahren. Auslöser war damals die Aussage von AfD-Oberprovokateur Gauland, er wolle Jérôme Boateng nicht als Nachbarn haben. Hanna stellt klar: »Mit dem Blog Schland-Watch sind wir zwar freundschaftlich verbunden, haben aber eine etwas andere Ausrichtung. Den Schland-Wahn nehmen wir zwar auch zur Kenntnis, dennoch geht es uns explizit um Fälle, bei denen Diskrimininierung jeder Art im Rahmen eines großen Turniers auftritt. Wir versuchen mal mehr, mal weniger erfolgreich, sachlich die Vorfälle zu dokumentieren, um so auch Menschen über die Grenzen der Twitterbubble hinaus zu erreichen.«

Die Beispiele sind zahlreich: Übergriffe auf ein homosexuelles Pärchen aus Frankreich, das zur WM nach St. Petersburg gereist war, Kabinenmusik einer rechtsradikalen Band bei den Kroaten und eine russische Bäckereikette, die in Rostow am Don Schilder mit der Aufschrift „faggots not allowed“ in ihren Filialen aufhängen ließ. Im Bezug auf die deutsche Mannschaft bemerkte Hanna in den letzten Jahren: »die offen Rechten haben kaum noch eine Bindung zur Nationalmannschaft.« Dennoch ist es bezeichnend, dass nach dem WM-Aus Spieler wie Özil und Khedira aus Hauptschuldige identifiziert wurden.