Wieso Mainz gegen Köln verlor

Europa-Angst

Der 3:2-Sieg in Mainz verschafft den Kölnern Luft im Abstiegskampf, stellt aber vor allem eine Frage: Sind die Mainzer gut genug für den internationalen Wettbewerb? 

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Manchmal geht es im Fußball ganz schnell. Innerhalb weniger Minuten kam der 1. FC Köln am Sonntagnachmittag von Abstiegsangst zu einem beruhigenden Sechs-Punkte-Vorsprung. Der FSV Mainz 05 wiederum träumte bis kurz vor Schluss von der Champions League und muss jetzt sogar um die Europa League zittern.

Der Kölner 3:2-Sieg stellt eine berechtigte Frage: Sind die Mainzer überhaupt gut genug für Europa?

Vorhersehbarkeit mit einem Spritzer Flexibilität

Mainz-Trainer Martin Schmidt stellt in dieser Saison seine Mannschaft fast immer in einem 4-2-3-1 auf. Dementsprechend lebt Mainz vor allem von den festen Mechanismen im System. Ein Sechser lässt sich zurückfallen, die Außenverteidiger rücken auf, die Außenstürmer gehen in die Mitte. Diese taktischen Mittel wendet Mainz wie aus dem Lehrbuch an, fast schon wie in einem Uhrwerk greifen die Rädchen ineinander.

Nur selten weicht Mainz von den festen Strukturen ab. Einzig Yunus Malli genießt auf der Zehn viele Freiheiten. Den Spielstil verändert Schmidt vor allem über die Personalwahl: In der Offensive hat Schmidt gleich fünf, sechs Kandidaten, zwischen denen er wechseln kann. Gegen Köln stellte er John Cordoba in den Sturm. Der Kolumbianer hielt lange Bälle und bediente die einrückenden Flügelstürmer.

Jetzt können sie sogar Standards!

Köln-Trainer Peter Stöger entschied sich, dem Mainzer Konstrukt ein defensives Bollwerk entgegenzustellen. Er bezeichnete das System zwar als 3-4-3, meistens war es jedoch ein defensives 5-4-1. Stöger wollte offensichtlich die letzte Linie stärken und die typischen Mainzer Pässe hinter die Abwehr durch die enge Fünfer-Abwehr verhindern.

In der ersten Halbzeit zeigte sich der Reifeprozess, den die Mainzer in den vergangenen Wochen durchliefen. Eigentlich sind Konter in dieser Saison die große Mainzer Stärke. Gegen Köln jedoch machten die 05er das Spiel auch mal langsam, ließen den Ball in der Abwehr laufen.

Die größte Überraschung: Die Mainzer können jetzt auch Standards. Eigentlich war dies die große Schwachstelle der Mainzer in der Saison, fehlen in ihrem Kader doch groß gewachsene Hünen, die Kopfballtore erzielen. Gegen Köln klingelte es gleich zweimal nach ruhenden Bällen.

Eine Auswechslung mit Folgen

Kurz nach der Pause nahm Schmidt Sechser Danny Latza vom Feld und brachte Fabian Frei. Dies sollte sich schnell als folgenreicher Fehler herausstellen. Latza gehört zu den unterschätzten Spielern der Liga. Er zeichnet sich vor allem durch sein Raumgefühl im Mittelfeld aus. Er sichert hinter seinen Kollegen ab, schließt Passwege und fängt Bälle ab.