Wieso das Wunder von Rom uns allen so gut tut

Danke

Rom schlägt Barcelona mit 3:0 und zeigt, dass uns der Fußball auch im Jahr 2018 noch begeistern kann. Dafür sollten wir uns bedanken. Bei Rom, bei Manolas, beim Fußballgott und beim FC Barcelona.

imago

Manche Abende sind egal. Und andere nicht. Manchester United gegen Real Madrid, das Old Trafford applaudiert Ronaldo, dem jetzt dicken und damals echten. Nicht egal. Liverpool liegt 0:3 hinten gegen Milan, dreht das Spiel, Jerzy Dudek zappelt auf der Linie, das Wunder von Istanbul ist geboren. Nicht egal.

Barcelona braucht drei Tore in fünf Minuten gegen Paris, Barcelona schießt drei Tore in fünf Minuten gegen Paris. Nicht egal. Vor ein paar Stunden, als Manolas, den wir vorher gar nicht so richtig kannten, an ter Stegen vorbei zum 3:0 für Rom traf, hat sich ein weiterer Abend in unsere Gedächtnis gemeißelt, der nicht egal ist.

Fußball kann doch noch geil sein

Weil uns Spiele wie das zwischen Rom und Barcelona an Abenden wie gestern bei der Stange halten. In einer Zeit, in der man theroetisch vier Spiele am Tag gucken könnte, wenn man denn nur die nötigen Streaming-Dienste abonniert hat, wirken sie wie Oasen in der Wüste. Weil Fußball eben doch noch geil sein kann. Weil da auf dem Feld nicht nur 22 Roboter spielen, die, wenn sie es denn genauso gut könnten, für das nötige Geld auch gegeneinander in Mühle antreten würden. Sondern Menschen aus Fleisch und Blut.

Die sich wie die elf Römer an einem ekstatischen Stadion aufputschen können. Oder sich, wie die Männer aus Barcelona, dieser eigenwilligen Dynamik, die ein Fußballspiel an Abenden wie heute entwickeln kann, beugen müssen. 

Natürlich behielt de Rossi die Nerven

An Abenden wie gestern wurden aus ein paar Kindern, die von ihren Vätern oder Müttern oder Onkeln mit ins Stadion geschleift wurden, Fußballfans auf Lebenszeit. Sie haben live miterlebt, dass Fußball das großartigste Spiel der Welt sein kann. Denn manchmal, alle paar Jahre, wenn alles passt, wird dieser furchtbare Spruch - träume nicht dein Leben sondern lebe deinen Traum - ihgitt!, plötzlich Wirklichkeit.

Dann kann sich ein Mann wie Manolas, der im Hinspiel noch mit Eigentor das sichere Aus seiner Mannschaft eingeleitet hatte, zum Held köpfen. Dann bekommt Daniele de Rossi, diese fast schon überzeichnete Sehnsuchtsfigur aller Romantiker, plötzlich sein erstes Champions-League-Halbfinale. Weil er die Nerven vom Punkt behielt. Weil er natürlich die Nerven behielt, schließlich hatte er ja, logisch, auch ein Hinspiel-Eigentor wieder gutzumachen.

Danke für diesen Abend

Und vielleicht könntest du selber ja irgendwann dieser Held sein. Vielleicht nicht in der Champions League, aber vielleicht in deiner Betriebssportmannschaft, die du nächstes Jahr doch noch zum Firmencup-Sieg in Donaueschningen schießt. Oder zumindest könnte die Mannschaft, die du so liebst, so einen Helden, wie ihn die Römer jetzt in Manolas haben, hervorbringen. Dann wirst du vor Freude schreien oder weinen, durch dein Wohnzimmer rennen, irgendeinen fremden Mann in der Kneipe auf den Mund küssen, der dich jede andere Sekunde in deinem Leben anwiedern würde, weil er nach Aschenbecher riecht. 

Und damit diese Hoffnung nicht stirbt, brauchen wir ab und zu ein Spiel wie das zwischen Rom und Barcelona. Wir brauchen die Lautstärke, die aus der Kurve durch den Fernseher direkt in unsere Brust dringt und uns einen Vorgeschmack darauf bietet, wie laut wir einst selber sein werden. Wir brauchen den gefallenen Riesen mit den weinenden Jungs in der Kurve, weil wir plötzlich sehen, dass auch Barcelona-Fans ab und zu leiden müssen. Was sie wieder ein bisschen näher an uns Loser-Fans heranrückt. Und wir brauchen das Gefühl, dass auch im Jahr 2018 noch alles möglich ist. Zumindest ab und zu. Heute haben uns Rom und Barcelona die nächste Ration Hoffnung geliefert, mit der wir uns zur Not durch die nächsten drei ereignisarmen und vorhersehbaren Saisons retten können. Dafür sollten wir uns alle bedanken.