Wiedersehen in der Champions League

Das Verlorene-Sohn-Fass

Teil Eins des großen Klassentreffens im Champions-League-Achtelfinale. Beckham gegen ManU, Benzema vs. Lyon: Da flammen alte Schulhof-Lieben und Pausenfeindschaften auf. Fingerhakeln in der Raucherecke inklusive. Wiedersehen in der Champions LeagueImago Rückkehr 1: David Beckham

oder: Manchester United gegen den AC Mailand

Nach zwölf Jahren, 394 Pflichtspielen und 85 Treffern für United wird David Beckham am heutigen Dienstag erstmals im Old Trafford das Trikot einer anderen Mannschaft tragen. »Das wird emotional für mich«, verriet Beckham Reportern auf dem Milan-Trainingsgelände Marenello. »Für mich ist es das allererste Mal, dass ich will, dass Manchester United verliert. Es ist ein seltsames Gefühl, aber ich Milan-Spieler und will, dass wir die nächste Runde erreichen.«

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Einen Torjubel wird es dennoch nicht von ihm geben: »Ich denke nicht, dass ich jubeln würde«, sagte er dem Vereinsmagazin United Inside. Dafür respektiere er den Klub und die Fans zu sehr. Richtig rührselig wird »Becks«, der seit Januar zum zweiten Mal leihweise beim AC Mailand spielt, wenn er an seine alte Liebe zurückdenkt: »Ich wünsche mir immerzu, ich wäre noch ein Teil von Manchester United, das steckt einfach in mir drin. Kein United-Spieler zu sein, war eines der schwersten Dinge, mit denen ich mich je abfinden musste.« Aber auch wenn er nicht mehr dort sei, greinte Becks weiter, bleibe er ein Riesenfan und habe immer noch eine Dauerkarte.

»David wer?«

In England hingegen ist man weniger am Wasser gebaut. »David wer?«, titelte die Zeitung Daily Telegraph in ihrem Sportteil und die Kampfgazette Sun füllte mit aus Trainer Alex Fergusons Zitat über Wayne Rooney, »Roo ist so groß wie Becks«, eine ganze Seite. Offenbar ist Beckhams Weggang immer noch nicht verziehen. Denn während Becks in United Inside säuselt „kein Fan oder Spieler möchte United je verlassen“, hat man auf der Insel noch lange nicht vergessen, dass Beckham 2003 nur zu gerne ein Millionengebot aus Madrid annahm.

Rückkehr 2: Karim Benzema

oder: Olympique Lyon gegen Real Madrid

Karim Benzema kehrt an seine alte Wirkungsstätte in Lyon zurück. Olympique hat nicht nur mit Benzema den erfolgreichsten Torjäger verloren, sondern auch seine Ausnahmestellung in Frankreich. Der ehemalige Abonnementmeister rangiert derzeit auf Platz vier der französischen Liga. Klar, dass sich da Melancholie in die Aussagen der Lyoner mischt und man den einstigen Sonderschützling Benzema zurückbeordern will. »Er fühlt sich ausgeschlossen in dieser Galaxie von Madrid. Der Trainer muss mehr auf ihn eingehen, damit Karim seine Sicherheit wiedererlangt«, macht Lyon-Präsident Jean- Michel Aulas das Verlorener-Sohn-Fass auf.

Lyons Präsident macht das Verlorener-Sohn-Fass auf

Doch obwohl die Konkurrenz bei den Galaktischen enorm und Benzemas Konkurrent Gonzalo Higuain in bestechender Form ist, denkt Benzema nicht an einen Wechsel. »Ich will mich hier durchsetzen, nichts anderes habe ich im Sinn.« Eine Rückkehr nach Frankreich und weiteren Spekulationen erteilt der 22-Jährige auch gleich eine Abfuhr. Es scheint, als habe er sich in der Madrider Glitzerwelt halbwegs zurechtgefunden. »Das erste halbe Jahr war schwierig, aber jetzt geht es ganz gut«, gibt Benzema preis. In den ersten vier Monaten lebte er in einem Hotel, zudem war er innerhalb kürzester Zeit in zwei Autounfälle im Madrider Nobelviertel verwickelt.

Die Befürchtung, Benzema könne gegen seinen Ex-Club, für den er in 112 Spielen 43 Tore schoss, nicht auflaufen, bestätigte sich nicht. Benzema hat nach derzeitigem Stand seine Muskelverletzung auskuriert und steht für das Duell in Lyon bereit. Bei einem Treffer würde er nach eigener Aussage aber aus Respekt nicht jubeln. Doch vielleicht kommt es gar nicht so weit, denn laut Statistik hat Real schlechte Karten im Stade Gerland zu Lyon. In zwei aufeinanderfolgenden Jahren in der Champions League trafen Lyon und Madrid aufeinander, in beiden Spielen behielten die Franzosen klar die Oberhand. 2005 machten zwei Tore von Juninho und eines von Wiltord bereits nach 30 Minuten den 3:0-Sieg klar, ein Jahr später besiegelten Treffer von Fred und Tiago wiederum nach einer gespielten halben Stunde den 2:0-Triumph für Lyon. Benzema stand in diesen Spielen nicht auf dem Platz, derartige Statistiken dürften ihm auch egal sein. Auch, weil Lyon in den Jahren der Hegemonie im französischen Fußball an Stärke eingebüßt hat. Und so gratuliert selbst der jetzige Olympique-Verteidiger Cristiano Gomez seinem ehemaligen Teamkameraden Benzema zu dessen Wechsel: »Es war dringend notwendig für seine Entwicklung, diesen Schritt nach vorne zu gehen.«

Fortsetzung folgt!

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