Wie zwei Rebellenklubs in Manchester ein Fußballfest feierten

Für die Seele des Spiels

An einem Wochenende, an dem in Dortmund die Proteste gegen Red Bull ausarten, zeigen Fans in England, wie es funktionieren kann. Mit einem historischen Spiel zwischen den Rebellenklubs FC United und SV Austria Salzburg. 

Tom Reed

Was englische und österreichische Fans zusammenbrachte war kein Energydrink - sondern Bier. Genauer gesagt echtes englisches Ale und echte englische Pints - das perfekte Schmiermittel für ein gelungenes Fan-Eigentümer-Festival, veranstaltet vom FC United of Manchester, garniert und besucht vom SV Austria Salzburg. 

Für die Anhänger beider Klubs gab es eine Menge zu diskutieren - schließlich sind beide Vereine das Produkt aus Protesten gegen die Übernahme der eigentlichen Lieblingsklubs. So entstand der FC United, weil Manchester-United-Fans 2005 gelinde gesagt unglücklich über die Übernahme der Glazer-Familie waren, während sich im gleichen Jahr Fans der violett-weißen Salzburger dazu entschlossen, Vereinsfarben und Emblem des Klubs offiziell neu anzumelden - nachdem Red Bull in Salzburg eingestiegen war und die eigene Marke über den Salzburger Fußball geklebt hatte. 


Ein eigenes Stadion für zwei Millionen Pfund

Wie so vieles an diesem Tag war allein schon die Anstoßzeit ungewöhnlich. Statt, wie normal in England, um 15:00 Uhr zu spielen, wurde erst um 17:00 Uhr angestoßen, damit auch die aus Österreich angereisten Fans möglichst entspannt im Stadion ankommen konnten. Außerdem kamen die Salzburger ja nicht alleine: Fans vom HFC Falke aus Hamburg, von Union Berlin, 1860 München, Udinese, Cork Sity und Celtic - um nur ein paar zu nennen -  begleiteten die Austria-Anhänger. Wohl auch, um bei dieser Art Mini-Convention progressiver Fan-Kultur am Broadhoast Park Stadium in Manchester zu lernen, wie Rebellenklubs überhaupt funktionieren. 

Und die Idee der neuen, alten Klubs, wie sie ja sowohl den FC United als auch den SV Austria antreibt, konnte auch immer wieder gut beobachtet werden: Kinder, die Bälle gegen die Stadionwand kickten. Alte Fans, die lachend in Erinnerungen schwelgten und ihr Wissen an eine neue Generation weitergaben. Und dann wäre da noch die Tatsache, dass der FC United mittlerweile ein eigenes Stadion, den Broadhoast Park, sein zu Hause nennen kann. Mehr als zwei Millionen Pfund mussten die Fans für den Bau 2015 aufbringen - eine wahnwitzige Errungenschaft.



Nicht die beste Zeit für einen Mittagsschlaf

Mit einer fantastischen Geste bot der FC United dem SV Austria Slazburg noch vor dem Spiel die Hälfte der Ticketeinnahmen an (1562 Zuschauer), die der Klub angesichts der finanziellen Achterbahnfahrt der letzten Jahre wohl dringend gebrauchen kann. Am Nachmittag waren außerdem bereits die Lokalhelden der »Space Monkeys« aufgetreten - natürlich in Sichtweite der großen Bar. Als danach die Salzburger Legende »Schützei« auf die Bühne kam, um die Fans mit seinen etwas »speziellen« Songs zu unterhalten, verstand zwar keiner der United-Fans auch nur ein Wort. Aber das war schlussendlich auch egal. Scheißegal.

In der Zwischenzeit hatten 400 Austria-Ultras die Moston-Station in Manchester erreicht, um den gemeinsamen Weg ins Stadion anzutreten. Begleitet von besorgten Blicken der vielen anwesenden Polizisten blieb aber alles friedlich. Was soll auch gefährlich daran sein, das Interesse von Red Bull am Fußball in Frage zu stellen? Eben. Aber: Zugegebenermaßen war es nicht die beste Zeit, einen Mittagsschlaf zu machen, während die stolzen und vor allem lauten Salzburger durch die Vororte Manchesters zogen.