Wie zufrieden ist Roy Präger mit den jungen Wölfen um Daniel Didavi?

»Mein Rat: schießen!«

Didavi: Heute haben schon Vierzehnjährige einen Berater.

Präger: Ist dir das ganze Geschäft als Jugendlicher zu Kopf gestiegen?

Didavi: Es gab Zeiten, in denen es mir nicht leicht fiel, auf dem Teppich zu bleiben. Du bist 17 Jahre alt, spielst in der ersten Mannschaft, hast deinen ersten großen Vertrag unterschrieben. Du verdienst viel mehr Geld als alle anderen in deinem Alter. Da kann es schnell passieren, dass du dich für was Besseres hältst. Obwohl du es natürlich nicht bist. 

Präger: Ihr Jungs müsst heutzutage charakterlich viel mehr dagegenhalten als wir früher.

Didavi: Ich war durch meine Erziehung zum Glück nie so gefährdet, aber auch bei mir gab es schwierige Momente. Dann gehst du feiern und gibst viel zu viel Kohle aus. Ich habe mich damals dann so schwer verletzt, dass sogar ein Karriereende im Raum stand. Da wurde mir schnell klar, auf was es wirklich ankommt: Familie und Freunde.

Präger: Richtig. Außerdem für mich immer wichtig: Die Gemeinschaft im Team. Wir haben uns damals richtig auf die Trainingslager gefreut. Es war zwar auch hart, gerade Willi Reimann war ein Schleifer. Aber es wurde jeden Abend gewürfelt. Und beim Würfeln kamen die Gespräche. Heute habe ich den Eindruck: Jeder hat sein Daddelgerät an und Stöpsel im Ohr.

Didavi: Früher gab es eben keine Handys. Aber auch bei uns gibt es noch Jungs, die würfeln. Wir können nur nicht mehr so sorglos feiern wie ihr damals. Bei euch hat das ja niemanden interessiert.

Präger: Wir hatten früher unsere Geheimtreffen in der Kaufhof-Passage. Da waren wir nach den Spielen alle. Ich habe dann mit jedem Fan abgeklatscht und einen ausgegeben.

Didavi: Es war dem Amateurfußball noch ähnlicher. Ihr habt in erster Linie gekickt. Heute ist es ein Geschäft. Aber dafür verdienen wir auch mehr Geld als ihr früher. 

Präger: Ja, aber ich hatte auch meine Verträge. Allerdings, auch anders als heute: Ich habe sie alle erfüllt. Einmal sollte ich vorzeitig zu Hertha gehen, für fünf Millionen Mark. Ich saß schon beim Hoeneß im Büro. Aber am Ende habe ich mich dagegen entschieden. 

Didavi: Ich bin auch nach Wolfsburg gekommen, um langfristig erfolgreich zu sein.

Präger: Dafür habe ich einen Rat: schießen. Wir haben es früher aus allen Positionen versucht. Mittlerweile seid ihr Jungs technisch so gut, dass ihr noch achtmal hin und her passen wollt. Manchmal kommt es mir so vor, als dürftet ihr nicht mehr aus zwanzig Metern draufhalten. Aber ich sage dir: Genau das wollen die Leute auf der Tribüne sehen. Die wollen Zug zum Tor sehen, die wollen sehen, dass du nach einem Tor auf den Zaun steigst. Dann bekommst du eben Gelb, aber die Leute freuen sich. Und ich mich im Übrigen auch!