Wie zufrieden ist Roy Präger mit den jungen Wölfen um Daniel Didavi?

»Hast du überhaupt ein Fahrrad?«

Roy Präger ist gelernter Industriemechaniker und eine Wolfsburger Legende. Daniel Didavi soll dabei helfen, den VfL wieder sexy zu machen. Beim Treffen sprechen die beiden über das schlechte Image der Stadt, gierige Berater und den Teamgeist alter Zeiten. 

Florian Schüppel
Heft: #
189

Präger: So Daniel, endlich lernen wir uns richtig kennen. Bisher ging das ja über „Hallo“ und „Tschüss“ nicht hinaus.

Didavi: Ich kenne dich trotzdem bestens. Wann immer ich Highlights gesehen habe, 1997, 1998, 1999: Wenn etwas über Wolfsburg kam, ging es immer auch um dich. In der Geschichte von Wolfsburg bist du die absolute Kultfigur.

Präger: Kultfigur hört sich so hochtrabend an. Ich lebe hier wie ein ganz normaler Mensch. Ruhig, entspannt, habe meine Familie hier, mein Häuschen. Und ich sage dir was: Diese Ruhe, gerade medial, ist für dich als Profi ein Segen.

Didavi: Die Stadt hat ja einen etwas merkwürdigen Ruf. Man muss sich vor Kollegen fast rechtfertigen, wenn man nach Wolfsburg wechselt. Dabei verstehe ich die Aufregung um nicht – die Stadt muss sich vor keiner anderen in dieser Größenordnung verstecken. 

Präger: Hier lassen sich die Leute auch nicht groß von den Profis beeindrucken. Ich radele zum Beispiel gemütlich mit dem Fahrrad durch die Stadt. Hast du überhaupt ein Fahrrad?

Didavi: Natürlich!

Präger: Als die großen Stars nach Wolfsburg kamen, hat man gemerkt, dass die Ansprüche stiegen. Da sollte ich Häuser besorgen, aber die waren den Jungs häufig zu klein. Die hätten mal sehen sollen, wie es zu meiner Zeit hier aussah.

Didavi: Du meinst das alte Stadion?

Präger: Nicht nur das. Wo jetzt die Geschäftsstelle ist, standen früher VW-Baracken. Und das alte Stadion war natürlich auch ein Highlight: Keine richtigen Tribünen, keine Flutlichter, alles war offen, der Wind pfiff durch und es war kalt ohne Ende. Sei froh, dass du das nicht mitmachen musst.

Didavi: Ich kenne das alte Stadion. Ich habe in der A-Jugend noch dort gespielt. 

Präger: Bei uns Profis kamen vielleicht 2500 Zuschauer. Da hast du jeden Zwischenruf gehört: „Ey, du Blinder. Jetzt lauf doch endlich mal.“

Didavi: (Lacht.) In den modernen Arenen höre ich das höchstens, wenn ich einen Eckball ausführe. Da hat sich im Vergleich zu früher vieles verändert.

Präger: Du musst dir vorstellen, ich war damals noch richtig malochen. Ich habe eine Ausbildung zum Industriemechaniker gemacht. Da stand ich bis zu den Armen in der Schmiere! Und nach der Arbeit bin ich um 14 Uhr zum Training. Meinen ersten Berater hatte ich, da war ich schon 26.