Wie Zidane gegen Deutschland den cleversten Pass aller Zeiten spielte

Mit Raum und Zeit

Deutschland liegt vor dem Länderspiel heute Abend gegen Frankreich am Boden. Doch es war schon schlimmer. Als Zinedine Zidane 2003 mit einem einzigen Pass die DFB-Elf vorführte.

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Um zu verstehen, wie der Gesundheitszustand des deutschen Fußballs im November 2003 war, genügt es, die ersten Zeilen des »Kicker«-Spielberichts zu lesen: »Wie erwartet feierte Jens Nowotny nach 19-monatiger Pause sein Comeback im DFB-Dress. Auch die Stuttgarter Jungstars Kevin Kuranyi und Andreas Hinkel, die von der U 21 abgezogen wurden, standen in der Startelf von DFB-Teamchef Rudi Völler. Jens Jeremies kam zu seinem 50. Einsatz für Deutschland.«

Jeremies gegen Zidane

Auf der Gegenseite in der Arena »Auf Schalke«, die erst wenige Monate alt war, standen Thierry Henry und David Trezeguet. Robert Pires und Claude Makelele. Eine Nationalmannschaft, angeführt von Zinedine Zidane. Kaum zu glauben, dass an diesem Abend der amtierende Vize-Weltmeister Deutschland gegen die vorzeitig in der WM-Gruppe-A ausgeschiedenen Franzosen spielen würde.

Und in den kommenden 90 Minuten würden die Franzosen den Gastgebern aufzeigen, dass WM-Erfolge alleine, nicht über einen Spielausgang bestimmen. Rudi Völler würde beim Stand von 0:3 mit dem Abpfiff in die Katakomben von Gelsenkirchen stürmen. Wütend, als habe Waldemar Hartmann mal wieder ein Weizen zu viel getrunken. »Mir stinkt, wie wir nach dem 0:2 aufgegeben haben. Am Ende haben wir uns vorführen lassen. Das vergesse ich nicht so schnell«, sagte er den Journalisten. Vermisst habe er die deutschen Tugenden, denn: »Wenn man vor dem eigenen Publikum hinten liegt, muss man mal die Sau raus lassen und härter in die Zweikämpfe gehen.«

Auf Beton geboren

Es schien, als hätte Völler das letzte Tor gar nicht mehr wahrgenommen. Ein Tor, das so wunderschön und einzigartig war, weil nicht etwa der Abschluss perfekt oder artistisch wertvoll war, sondern die Vorlage auch nach 15 Jahren zum vielleicht schönsten gehört, was Fußball und Physik ermöglichen können.

Zinedine Zidane wuchs in einer Hochaussiedlung im Marseiller Distrikt La Castellane auf. Unten zwischen den Häusern des Problemviertels hatte »Zizou« jeden Tag auf Beton gespielt, weshalb manche glauben, dass Zidanes Spiel auf Rasen so leichtfertig wirkte, weil Fußball auf Stein viel schneller gespielt wird. Rasen absorbiert schnelle Bälle und hüpfende Zuspiele. Doch Zidane wirkte als Profi nie gehetzt. Ganz so, als habe er all die notwendigen Bewegungen schon als Kind erlernt. Auf Beton. Und deshalb mit einer viel höheren Geschwindigkeit. (>>>Das komplette Porträt von Zinedine Zidane im neuen 11FREUNDE-Spezial »Die Zehn«)