Wie Wolfgang Holzhäuser die Zukunft von 50+1 sieht

»Wenn ich Investor wäre, würde ich die Preise senken«

Christian Ollig, Manager von Herthas Investor KKR, äußerte gegenüber dem Wirtschaftsmagazin ›Capital‹, man hätte signifikantes Steigerungspotenzial für den Wert der Bundesliga-TV- und -Media-Rechte gesehen. Hat er Recht?
Das sehe ich ganz ähnlich. Während weitere Einnahme-Sprünge im Sponsoring oder bei Eintrittsgeldern kaum noch möglich sind, bietet der TV-Markt viel Potenzial. Gerade die internationale Präsenz muss die Bundesliga erhöhen. Dazu braucht man aber auch sportliche Erfolge auf internationaler Ebene.

Wie beruhigen Sie die Freunde der Fußballkultur, die höhere Eintrittspreise und Salami-Spieltage befürchten?
Was ist Fußballkultur? Das habe ich bis heute nicht verstanden. Die, die im Fernsehen Plakate hochhalten, etwa die Ultras, wollen doch vor allem Aufmerksamkeit. Wo sind die, wenn am Samstagmorgen bei Wind und Wetter die Nachwuchsteams spielen? In Leverkusen hab’ ich das manchmal gemacht. Mit mir haben noch zehn Mann zugeschaut, das war's. Die Ultras kommen, wenn im großen Stadion das Flutlicht brennt...

...und protestieren für fanfreundliche Anstoßzeiten oder faire Ticketpreise. Wenn der Investor die Klubpolitik bestimmt, sind Preisanstiege wie in England jedenfalls nicht auszuschließen.
Kann sein, dass das in England so ist. Deshalb muss das bei uns ja nicht genauso kommen. Wenn ich Investor wäre, würde ich sogar darüber nachdenken, die Preise zu senken. Gerade die Preisstruktur macht die Bundesliga ja so attraktiv. Und die Einnahmen aus Eintrittsgeldern haben sowieso nur eine minimale Wirkung.

Mal angenommen, in der Bundesliga spielen nur von Investoren geführte Klubs: Dann müssen immer noch zwei absteigen. Wächst der Druck auf die Verantwortlichen, wenn es um noch mehr Geld geht?
Das glaube ich nicht. Im Gegenteil: Ein renditeorientierter Investor denkt eher rational als emotional, was dem von Emotionen geprägten Fußball sicherlich gut tun würde. Und schauen Sie mal, was ein Abramowitsch in Chelsea auch an Infrastruktur aufgebaut hat. Oder nehmen Sie Tottenham, auch Leipzig. Da wird tolle Arbeit geleistet.

Was passiert, wenn Investitionen verpuffen?
Das kann natürlich vorkommen, aber Druck haben Sie immer im Fußballgeschäft, nicht nur von Investorenseite. Schauen Sie in die Gesichter von Trainern, die im Abstiegskampf stecken, von Vereinsverantwortlichen. Der Druck kommt von Medien, Fans, vom Hauptsponsor. Wäre das nicht so, hätte ich in meiner Zeit als Leverkusener Geschäftsführer zwei Trainer weniger freigestellt.

Wen denn?
2008 Michael Skibbe und 2012 Robin Dutt.