Wie Wolfgang Holzhäuser die Zukunft von 50+1 sieht

»Zügellosen Zugang darf es niemals geben«

Wie könnten Leitplanken aussehen, wenn die DFL den Markt für Investoren weiter öffnen soll?
Die DFL sollte einerseits - wie eben erwähnt - den Vereinen die 50+1-Entscheidung individuell überlassen. Andererseits muss sie mehr Kontrolle ausüben als bisher. Ich verstehe es beispielsweise nicht, dass 49 Prozent der Anteile völlig unkontrolliert abgegeben werden können. Das ist nicht schlüssig, da bedarf es Prüfmechanismen. Etwa, ob ein Investor an mehreren Klubs beteiligt ist.

Welche Bedingungen sollten noch gelten?
Eine langfristige Kapitalbindung, sagen wir drei Jahre oder mehr. Außerdem muss dem Stammverein vor dem Verkauf von Anteilen ein Vorkaufsrecht zu einem festgelegten Preis eingeräumt werden, wenn der Investor Anteile wieder abgeben will. Einen zügellosen Zugang in die Bundesliga darf es niemals geben.

Befürworter einer Marktliberalisierung sagen bessere internationale Chancen vorher. Hertha, Köln oder Freiburg schieden aber gegen schwedische oder slowenische Teams aus - und RB Leipzig mangelt es kaum an finanziellen Mitteln. Wird der monetäre Einsatz etwas überbewertet?
Geld schießt natürlich keine Tore, das sieht man ja an Wolfsburg und Leverkusen, die an den Bayern schon mal näher dran waren. Es ist auch illusionär zu denken, dass die Bayern mit Investoren-Geldern wieder einzufangen wären. Das weiß wohl auch DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. Man müsste schon den Meisterschafts-Modus ändern. Vielleicht so, dass die Top vier der Liga den Meister nach einem Halbfinale und Finale ermitteln. Das wäre ein Highlight für alle Fußballinteressierten.

St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig warnt, dass die Schere zwischen den Topklubs und dem Rest weiter auseinandergeht, wenn Investoren in den Markt drängen. Bayern könnte schließlich »bessere« Geldgeber akquirieren als der SC Freiburg.
Es ist doch jetzt schon so, dass die Verhältnisse klar zementiert sind. Der DFB mit dem Flaggschiff Nationalelf sahnt die Top-Sponsoren zulasten der Liga ab, dann kommen Bayern, Dortmund und Schalke, die ganz andere Vermarktungsmöglichkeiten haben als Mainz oder Freiburg. Deshalb ergibt übrigens die Beteiligung der Liga an den Einnahmen des DFB genauso Sinn wie die solidarische Verteilung der Fernsehgelder. Mit einem verstärkten Eintritt von Investoren in den Markt wäre eben mehr Geld im Umlauf, die Verhältnisse blieben aber ähnlich.

Manche fürchten, dass in der Bundesliga eines Tages Auf- und Abstieg wegfallen, damit Investoren Planungssicherheit haben.
Ich bin total gegen ein geschlossenes System! Der Fußball muss seine Grundsubstanz erhalten. Aber die wichtigste Frage ist doch: Wie präsentiert sich der deutsche Fußball international?

Mit mehr Geld vielleicht besser. Werden das die Fans auch noch mittragen?
Ach, wissen Sie, als der 1. FC Köln Ende der Achtziger den Belgier Van Gool für eine Million D-Mark verpflichtete, stand in der Zeitung: ›Der Fan akzeptiert das nicht mehr.‹ Man mag die Summen heute für falsch halten oder das System verteufeln. Aber wenn Neymar nach München kommt, wollen ihn doch alle sehen. Und wenn die Bayern in Deutschland irgendwo hinfahren, geht auch jeder ins Stadion. Der Fußballmarkt gibt die Summen, die wir für verrückt erklären, her. So ist es nun mal. Was der Fan wirklich nicht versteht, ist das Verhalten eines Dembélé oder Aubameyang. So etwas wird hoffentlich auch nicht akzeptiert.