Wie wir den Mann mit den meisten Klubs fanden

Er hat es wieder getan

Im neuen 11FREUNDE-Heft porträtieren wir »Journeyman« Jefferson Louis, der bereits für 37 Klubs gespielt hat. Naiv, wer geglaubt hat, die Reise des 40-Jährigen sei damit zu Ende.

Ossi Piispanen
Heft: #
215

Ein beliebtes Spiel beim regelmäßigen Kneipenquiz von 11FREUNDE ist es, einen beliebigen Wikipedia-Eintrag an die Wand zu werfen und die Leute im Saal zu fragen, welcher Spieler sich hinter der tabellarischen Abbildung einer Karriere verbirgt. Das macht natürlich umso mehr Spaß, je wilder das Zickzack ist, das der Profi auf der Landkarte hinterlassen hat. Will sagen: Ansgar Brinkmann funktioniert gut, Charly Körbel eher weniger.

Lange dachten wir, jemand wie der frühere Torwart und jetzige Fortuna-Manager Lutz Pfannenstiel, der in seiner Laufbahn für mehr als 20 Klubs zwischen den Pfosten stand, sei in dieser Hinsicht unschlagbar. Aber dann begegnete uns Jefferson Louis.

Ein irrer Trip

Zu den Zeitpunkt, als wir auf den mittlerweile 40-jährigen Stürmer aufmerksam wurden, spielte er für Chesham United in der sogenannten »Southern Premier South«, was sich besser anhört, als es tatsächlich ist: nämlich die siebte englische Liga. Nach ganz oben hatte es der Mann nie geschafft, aber immerhin für Oxford United, die Bristol Rovers und Mansfield Town als Vollprofi gespielt. In England ist zu lesen, dass Louis zu Beginn seiner Karriere als großes Talent galt, dann jedoch den Faden verlor. Danach begann sein irrer Trip von Klub zu Klub, quer durch die Ligen.

Der Versuch, mit dem »Journeyman« Kontakt aufzunehmen, scheiterte zunächst. Weder sein Klub Chesham noch er selbst schienen an einer Geschichte interessiert zu sein. Wir hätten an dieser Stelle einfach aufgeben oder uns weiter die Finger wund telefonieren können, stattdessen fuhr unser Autor Marcus Erberich an einem trüben Spätsommertag von London nach Chesham, um sich englischen Siebtliga-Fußball anzuschauen – und machte sich mit Jefferson Louis bekannt.

Der nächste, logische Schritt

Erberich lernte an diesem Nachmittag einen Mann kennen, der freimütig und mit einer gewissen Altersmilde auf seine, nun ja, wechselvolle Karriere zurückblickte, auf frühe Hoffnungen, verpasste Chancen und falsche Abzweigungen. Der aber auch mehr als nur ein bisschen grollte, weil er zum wiederholten Male nur eingewechselt worden war. »Wenn du so jemanden hast«, sprach Louis von sich in der dritten Person, »dann musst du ihn von der Leine lassen.«

Und so kam es, wie es wahrscheinlich kommen musste. In den zehn Tagen, die zwischen der Drucklegung eines 11FREUNDE-Heftes und seinem Erscheinen vergehen, wechselte der »Journeyman« wieder mal den Verein. Statt für Chesham läuft er fortan für Hampton & Richmond Borough auf, Tabellenletzter der National League South und damit eine Stufe höher beheimatet als Chesham United. Und was aus journalistischer Sicht etwas ärgerlich ist, weil nun im Heft nicht die ganze Wahrheit steht, ist doch andererseits die logische Pointe dieses Porträts eines Mannes, von dem der »Telegraph« einmal schrieb, er suche noch immer nach seinem wahren Zuhause.

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Die (beinahe) vollständige Geschichte von Jefferson Louis lest ihr in 11FREUNDE 215. Ab jetzt am Kiosk oder hier bei uns Shop. Fortsetzung folgt bestimmt.