Wie Weston McKennie zum Herzstück auf Schalke wurde

Auch Texaner können Maloche

Eigentlich hatte Schalke vor der Saison mit Sebastian Rudy einen erfahrenen Bundesliga- und Nationalspieler für seine Position geholt. Der konnte in der Zentrale bislang nicht überzeugen. Dafür sprang McKennie in die Bresche.

Nicht nur seine Tore gegen Moskau und Düsseldorf, sondern auch die Mischung aus Körperlichkeit, Technik und Antritt, die Erinnerungen an Leon Goretzka weckt, tut Schalke außerordentlich gut. Vor allem, weil McKennie kapiert hat, was Fußball auf Schalke bedeutet.

Als »Mentalitätsmonster« bezeichnete ihn Manager Christian Heidel nach dem Spiel gegen Düsseldorf. Und Domenico Tedesco sagt: »Weston ist für uns ja nicht nur wegen seiner Tore wichtig. Auch in der Phase, in der es nicht so gut lief, hat er einfach vieles verkörpert, wofür wir stehen wollen. Er hat eine gute Mentalität, ist bodenständig und ackert.« Für Tedescos Verhältnisse ist das ein Ritterschlag.

27 Kilometer weiter westlich

So naheliegend es auch sein mag, die Parallele zu Dortmunds Christian Pulisic zu ziehen, von jungen US-amerikanischen Talenten mit ordentlicher Geschwindigkeit und Zug zum Tor gibt es schließlich nicht allzu viele in der Bundesliga, symbolisiert das Zitat doch, wie weit daneben man mit diesem Vergleich liegt.

McKennie und Pulisic kennen sich, seit sie 13 sind und zum ersten Mal für eine US-Nachwuchsmannschaft zusammenspielten. Sie sind gute Freunde, spielen 27 Kilometer voneinander entfernt, doch könnten unterschiedlicher kaum sein. »Er war schon als kleines Kind ein Star«, sagt McKennie über seinen Dortmunder Gegenpart. »Ich war immer derjenige, der zur Seite geschoben wurde.« 

Pulisic steht in Dortmund für Flair, für Spektakuläres, für Action. McKennie auf Schalke hingegen für Kampfgeist, Opferbereitschaft und Mentalität. »Er verkörpert so ein bisschen das Malochertum, das auf Schalke einfach wichtig ist«, sagt Heidel. Wie sich die beiden US-Talente unterscheiden, tun es mittlerweile auch die beiden Vereine. Spätestens seit Jürgen Klopp ist beim BVB mehr Spektakel als Maloche. 

»Eine Gemeinschaft aus harter Arbeit«

Auf Schalke hingegen wird immer noch geackert, erst recht unter Domenico Tedesco. Ebenso ist die Stadt Dortmund aus dem Strukturwandel im Ruhrgebiet etwas besser rausgekommen als Gelsenkirchen. In Dortmund gibt es Grund zur Hoffnung. In Gelsenkirchen gibt es nur Fußball.

McKennie sagt: »Wir leben, atmen und schlafen Fußball hier. Die Fans würden alles für uns tun. Und ich glaube, sie haben verstanden, dass ich alles für sie tun würde. Es ist eine Gemeinschaft, die auf harter Arbeit beruht. Und ich arbeite jeden Tag hart, um mich als ein Teil von ihr zu beweisen.« 

In der Nationalmannschaft, in der Revier-Rivalitäten keine Rolle spielen und McKennie wie Pulisic als Hoffnungsträger zählen, ziehen die beiden gemeinsam an einem Strang. Das Ziel heißt WM 2026 im eigenen Land. Dann wäre McKennie 27 Jahre alt.

Und schließlich gibt es viele Dinge, die man mit 27 machen kann. Aus Geldnöten das eigene Auto verkaufen, tatsächlich endlich von zu Hause ausziehen, oder immer noch den ganzen Tag kiffend in der WG-Küche rumhängen. Oder man spielt als gefeierter Bundesligastar für das Nationalteam bei einer Heim-WM.