Wie Viktoria Berlin den Millionen-Deal mit chinesischen Investoren einfädelte

Warum der Investoren-Deal nicht ohne Risiko ist

Für Viktoria kommt die Finanzspritze jedenfalls zur rechten Zeit. Erst im Winter hatte der Verein beschlossen, kürzerzutreten. Gut bezahlte Spieler sollten sich einen neuen Verein suchen. Stattdessen wollte Viktoria vermehrt auf den Nachwuchs setzen. Zu groß war der finanzielle Aufwand. Zu gering der sportliche Ertrag. »Keine Aufmerksamkeit, keine TV-Gelder. Regionalliga zu spielen, um Regionalliga zu spielen, macht ökonomisch keinen Sinn«, so Sommer.

Die abgelaufene Spielzeit beendete Viktoria Berlin in der Regionalliga Nordost auf Rang 13. Solche Platzierungen sollen dank chinesischer Unterstützung der Vergangenheit angehören. Es soll nach oben gehen. Weit nach oben. Darauf hat man sich bei Spargel und Schnitzel in einem Restaurant nahe der Geschäftsstelle in Lichterfelde geeinigt. »Die ASU zielt mit ihrem Engagement nicht darauf ab, dauerhaft 3. Liga zu spielen«, erklärt der Geschäftsführer.

Nächster Halt: Ausgliederung

Druck gäbe es von chinesischer Seite allerdings keinen. Ein Aufstieg aus der Regionalliga sei ohnehin nicht planbar. »94 Mannschaften spielen um vier Aufstiegsplätze. Die Regionalliga ist das Nadelöhr des deutschen Fußballs«, dämpft Sommer die Erwartungen. Ohnehin seien noch keine konkreten Summen vereinbart worden.

Beschlossene Sache ist dahingegen die schnellstmögliche Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung in eine Kapitalgesellschaft. Spätestens bis zum 30. Juni. Die Ausgliederung würde es der ASU erst erlauben, die entsprechenden Anteile zu erwerben.

»Unsere halbe U13 hat Angebote«

Felix Sommer sieht darin auch eine Schutzmaßnahme für den eingetragenen Verein: »Sollte etwas schief gehen, kann dafür nicht der gesamte Verein in Haftung genommen werden.« So wolle er allerdings nicht denken. »Bei der Eheschließung wird nicht über die Scheidung geredet.«

Zumal der erhoffte sportliche Erfolg positiv auf den Gesamtverein abstrahlen würde. »Wir brauchen eine hochklassige Herrenmannschaft, sonst laufen uns im Jugendbereich die Talente weg. Unsere halbe U13 hat Angebote von Bundesligisten vorliegen«, wirbt der Geschäftsführer um Verständnis.

Das Restrisiko bleibt

Die Jugendabteilung ist so etwas wie das Prunkstück der Himmelblauen, die mit 70 am Spielbetrieb teilnehmenden Mannschaften der größte Fußballverein Deutschlands sind. Allein 48 Juniorenteams schickt Viktoria ins Feld. Die U19 spielt in der Regionalliga Nordost.

Ist der sportliche Erfolg allerdings mit fremdem Geld erkauft, begibt der Verein sich zwangsläufig in ein Abhängigkeitsverhältnis. Auch wenn er finanziell nicht in Haftung genommen werden kann. Bleibt irgendwann das Geld und dann der Erfolg aus, bleiben auch die Talente nicht mehr lange. Bei einem ausländischen Investor gäbe es immer das Risiko, »dass er plötzlich keine Lust mehr hat und den Verein fallen lässt«, mahnt Gerd Liesegang, Vizepräsident des Berliner Fußball-Verbandes (BFV).