Wie vehement Fans in London um ihre Spielstätten kämpfen

Wie Dulwich Hamlet aus dem eigenen Stadion geworfen wurde

Das sieht knapp 20 Kilometer südwestlich schon anders aus. Seit über einem Monat spielt Dulwich Hamlet schon gar nicht mehr im angestammten Stadion, dem altehrwürdigen »Champion Hill« auf dem gleichnamigen Hügel. Dabei ließe sich auch dieses leicht zum fußballerischen Kulturgut erklären. 1931 spielte der Klub erstmals in dem kleinen Stadion, das mittlerweile zwar modernisiert wurde, von seinem altertümlichen Charme aber nur wenig verloren hat. Der einzige Eingang ins Innere führt für die Besucher etwa noch immer entlang einer Autowaschanlage vor den Stadiontoren.

Wohnraum ist im zunehmend populärer werdenden Londoner Süden ein knappes Gut. Deshalb hätten sich die DHFC-Fans mit der ursprünglich angedachten Lösung der »Meadow Residential«-Gruppe anfreunden können, die vor vier Jahren das Stadiongelände erwarb. Der »Champion Hill« sollte weichen, dafür aber in unmittelbarer Nähe eine neue Heimat für »The Hamlet« entstehen.

Doch als die zuständigen Behörden im vergangenen Oktober die Baugenehmigung verweigerten, änderte die Immobilienfirma ihre Strategie. Plötzlich forderte sie eine nachträgliche Mietzahlung über 121.000 Pfund und brachte den Klub damit in arge Finanznöte. Anfang März schmiss sie Dulwich Hamlet dann aus dem Stadion, sodass der Tabellenzweite der Isthmian League seine Spiele seitdem beim Ligakonkurrenten Tooting & Mitcham austragen muss. Und damit nicht genug: »Meadow Residential« eignete sich kurzerhand die Namensrechte des Vereins an. Es schien, als stünde Dulwich Hamlet unmittelbar vor dem eigenen Ableben.

Hilfe vom Bürgermeister und Rio Ferdinand

Die Gefahr ist alles andere als gebannt, aber auch in Dulwich sind die Fans das größte Pfund. Den finanziellen Kollaps verhindern sie durch eine großangelegte Spendenkampagne, die die Spielergehälter bis zum Ende der Saison sichern soll. Auf einer Demonstration Mitte März marschierten 1.200 Personen vor die geschlossenen Tore des »Champion Hill«. Und die Macher der Kampagne »Save Dulwich Hamlet« feiern zumindest Teilerfolge: Viele Politiker und sogar Londons Bürgermeister Sadiq Khan erklärten ihre Solidarität mit dem Klub. Die größte Hilfe könnte derweil von Rio Ferdinand kommen, dem 81-fachen Nationalspieler und engen Freund des »Hamlet«-Trainers. Er sitzt einer Stiftung vor, die sozialen Wohnungsbau betreibt und Dulwich Hamlet retten will. Ein erstes Angebot für das Stadiongelände wurde von den bisherigen Eigentümern aber offenbar abgelehnt.

Die Zukunftsaussichten für Dulwich Hamlet wie für Clapton FC sind also nicht gerade rosig. Eine friedliche Beilegung der Konflikte erscheint undenkbar. Dazu sind die Interessen zu verschieden: Auf der einen Seite wittern McBean und die »Meadow Residential« Millionengeschäfte auf dem zügellosen Londoner Immobilienmarkt. Auf der anderen Seite stehen die Anhänger, die über Jahre demokratische und engagierte Fankultur geschaffen haben und nicht weichen werden. DHFC- und CFC-Fans unterstützen sich inzwischen gegenseitig. Ein kluger Schachzug, denn es geht um viel.