Wie Traditionsklub VfR Neuss das Chaos hinter sich lassen will

Aus dem Koma erwacht

Einst war der VfR Neuss ein stolzer Traditionsverein. Doch dann begann der Abstieg: Stadion weg, Geld weg, Kreisliga C. Nun will der Klub wieder angreifen. 

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»Mir ist das Herz total zerrissen worden«, blickt Markus Kolvenbach, Pressesprecher des VfR Neuss, auch heute noch traurig auf den Juni 2014 zurück. Das eigene Stadion – Ort der Freude und des Leidens, nicht nur Bühne sondern auch Heimat - wird krachend abgerissen und hinterlässt nichts als Staub und Asche. 

So geschehen beim Traditionsverein aus der 150.000 Einwohner starken Stadt vom Niederrhein. Das Stadion an der Hammer Landstraße ist Geschichte, die Fläche liegt unbenutzt brach und der VfR trägt seine Spiele nun »als Gast« auf der Bezirkssportanlage in Weckhoven aus, ehe in der nächsten Saison der Umzug ins Jahnstadion ansteht.

Funkel, Schmadtke und »Lumpi« Lambertz

Einige Momente bleiben dennoch unvergessen: Noch heute erzählen die Neusser vom Saisoneröffnungsspiel der damals zweitklassigen Regionalliga West 1966/1967. Gegen den frisch aus der Bundesliga abgestiegenen Nachbarn aus Düsseldorf errang der Underdog vor 13.500 Zuschauern einen 5:4-Erfolg. Umjubelter Siegtorschütze war Ulrich Kohn, der mit Borussia Mönchengladbach sieben Jahre zuvor bereits DFB-Pokalsieger wurde. Und auch später schnürten beim VfR Kicker die Schuhe, die  irgendwann in der Beletage des deutschen Fußballs auftrumpften: Friedhelm und Wolfgang Funkel, Jörg Schmadtke oder auch Andreas »Lumpi« Lambertz. Die Neusser besaßen einen Namen auf der Landkarte des deutschen Fußballs. Doch dann kam der freie Fall: 

1972 ging es runter in die drittklassige Verbandsliga, 1978 war die vierte Spielklasse das tägliche Brot. Finanziell konnte der Insolvenzantrag 1978 noch abgewendet werden. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben - leider: 2010 war es dann so weit. Der damalige Landesligist war pleite, die Mannschaft wurde aus dem Spielbetrieb zurückgezogen und taumelte in den vergangenen Jahren immer weiter - bis in die Kreisliga C!

»Der Verein war tot«

»Der Verein war tot. Es stand die Löschung aus dem Vereinsregister im Raume«, berichtet Kolvenbach über die Zeit, als ein Jahr lang sogar auf die Teilnahme am Spielbetrieb verzichtet wurde.