Wie Thiagos Standing beim FC Bayern verpuffte

Dahoam ist, wo Pep ist?

Thiago Alcantara wurde lange Zeit nachgesagt, er sei nur wegen des Trainers in München, heute diskutiert man sogar über seinen Abgang. Was ist passiert?

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Mit einer Rumpftruppe reiste der FC Bayern nach Barcelona. Robben und Ribery fehlten komplett, Javi Martinez war nicht fit, dazu suchte Xabi Alonso nach seiner Form und Robert Lewandowski trug nach einer Gesichtsverletzung eine Maske, die sein Spiel merklich einschränkte. Die Hoffnungen im Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Barcelona Anfang Mai 2015 ruhten vor allem auf Thiago.

Heute, ein gutes Jahr später, wird Thiagos Abgang diskutiert. Nicht etwa, weil er sich für die Guardiola-Idee von Fußball so unabdingbar gemacht hätte, dass Manchester City ihn gleich noch dazunehmen würde. Nein, vielmehr wird er als ein möglicher Wackelkandidat unter dem neuen Trainer Carlo Ancelotti angesehen. Wie konnte es dazu kommen?

Ein Jahr ohne Fußball

Dass Thiago damals so hervorstach, war überraschend, da wenige Monate vorher noch über sein Karriereende spekuliert wurde. Am 31. März 2014, also noch in seiner ersten Saison beim FC Bayern, hatte er sich einen Innenbandanriss zugezogen. Eigentlich keine allzu schwerwiegende Verletzung, aber sie verheilte schlecht und - vielleicht - wurde das Knie zu früh wieder belastet.

Kurz nach seinem Comeback riss das Band erneut und Thiago fiel von Mai bis Oktober erneut aus. Behandelt wurde der Spanier in dieser Zeit in Barcelona, wo Dr. Ramon Cugat, ein Vertrauter Guardiolas, ihm Kortison spritze und damit in München für Verärgerung sorgte. Wie sich herausstellen sollte, war diese begründet: Im Herbst kehrte er erneut zurück, trainierte für wenige Tage und riss sich das Band dann erneut. Das Vertrauen Thiagos in Guardiola, der die umstrittene Behandlungsmethode vorgeschlagen hatte, verstärkte in München den Eindruck, dass es vor allem der Trainer war, der die Verbindung zu München ausmachte.

Kann er eine Ära prägen?

Fünf Monate später stand er wieder auf dem Platz, insgesamt war er 357 Tage ausgefallen. Kaum einer hatte nach dieser langen Fehlzeit damit gerechnet, dass Thiago wesentlichen Einfluss auf das Spiel nehmen könnte, doch in Wahrheit war er es, der sich als einer der wenigen in einer gegen Ende der Saison 2014/15 schwächelnden Bayern-Mannschaft hervorhob. Er war der einzige Grund, den Münchnern einen Sieg gegen Barcelona zuzutrauen.

Thiago war der Spieler, der im Mittelfeld des FC Bayern für die genialen Momente sorgte, der Alonsos Ballkontrolle mit Götzes flinken Bewegungen und einem fast schon Iniesta-artigen Blick für den Mitspieler kombinierte. Sollte er nicht seinem Förderer Guardiola folgen, war man sich einig: Er könnte in München eine Ära prägen, die Magie des Fußballs, den der katalanische Trainer an die Säbener Straße gebracht hatte, weiterhin fortführen, sozusagen Pep's Zauberstab übernehmen. Doch mittlerweile wird daran gezweifelt.

Thiagos Hinrundenleistungen waren, im Vergleich zu seiner Hochform aus dem Frühling 2015, wechselhaft gewesen. Immer wieder geisterte das Bild von den zwei Thiagos durch die Blätter: Der eine war der Champions-League-Thiago, der zusammen mit Douglas Costa den FC Arsenal auseinander spielte. Der andere war der Bundesliga-Thiago, der gegen Augsburg unkonzentriert und fahrig wirkte.