Wie Stevens und Frontzeck den VfB und 96 retteten

Die Huubyphilosophen

Auch ohne Anschlussvertrag retteten Huub Stevens und Michael Frontzeck ihre Klubs. Sie trafen die richtigen Entscheidungen – aber vor allem die richtigen Töne.

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Gerd Rubenbauer war an diesem Samstag nicht am Mikro. Der Kommentatorenveteran hat der Fußballwelt aber so viele Sätze geschenkt, dass er auch ohne physische Anwesenheit omnipräsent ist. Einer davon: »Diese Rudi-Rudi-Rudi-Rufe hat es früher nur für Uwe Seeler gegeben.«

Wenn also »der Rubi« am Samstag in Paderborn die Feierlichkeiten des Stuttgarter Gästeblocks miterlebt hätte, so wäre ihm wohl über die Lippen gegangen: »Diese Huub-Huub-Huub-Rufe hat es früher nur für Jupp Heynckes gegeben.« So wie der VfB-Anhang glückselig huubhuubhuubhuubte, klang das wie die bayrische Jupp-Jupp-Jupp-Stakkato-Preisung für den Triplesieger Heynckes.

Anschreien und versöhnen

Quervergleiche zwischen einzelnen Trainern sind natürlich schwierig, gerade wenn der eine den VfB Stuttgart, der andere die Bayern trainierte. Wohl aber braucht es für diesen Job eine gewisse Ausstrahlung und Cleverness in den entscheidenden Spielen. Große, erfahrene Trainer schaffen gerade in diesen Phasen eine besondere Beziehung zu ihren Spielern – auch wenn diese fast schon ihre Enkel sein könnten.

Heynckes wurde gleichzeitig zur absoluten Vertrauens- wie Respektsperson für die Profis. Viel deutet darauf hin, dass Huub Stevens das gleiche Kunststück im Abstiegskampf gelang. Da sagte zum Beispiel Stürmer Martin Harnik mit einem Schmunzeln, dass die Mannschaft ihrem Trainer verziehen habe. Stevens hatte zuvor die Spieler als »Affen« bezeichnet. In guten Familien muss man sich eben anschreien und gleich wieder versöhnen können.

Und da war auch noch Antonio Rüdiger, der seinen Trainer in der Euphorie des Klassenerhalts einfach zum Interview zitierte, ihm den Arm um die Schulter legte und dabei trotzdem alle Förmlichkeit bewahrte: »Trainer, kommen Sie bitte!«



Huub Stevens hat die Mannschaft aus der Schusslinie genommen. Der Mann beherrscht ja das Spiel mit den Mienen und mit den Reportern. Mal verfinstert sich sein Blick, als wolle er seinen Gegenüber auffressen, und die Augenbrauen ziehen sich hoch wie bei einer Sprungschanze.

Dann bollert er seine Späße und sein unverwechselbares Lachen so laut heraus, als habe jemand drei Bassboxen neben ihm aufgestellt. Er sagt dann: »Mir braucht keiner ein Denkmal bauen, glaub mir.«