Wie Steven Skrzybski als kleiner Junge sein Herz an Schalke verlor

Kumpeltyp

Auch wenn er wohl nur auf der Bank sitzen wird: Das heutige Spiel gegen Union Berlin ist ein ganz besonderes für Schalkes Steven Skrzybski: Seit seiner Kindheit ist er Fan der Königsblauen, 17 Jahre spielte er für Union. Wir haben ihn in Gelsenkirchen besucht.

Marcel Maffel
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201

Hinweis: Der Text erschien erstmals in unserem Bundesliga-Sonderheft (Ausgabe 201) im Juli 2018. Das Heft ist hier bei uns im Shop erhältlich.

Gelsenkirchen, ein Tag Ende Juni. Steven Skrzybski lehnt in der Schalker Vereinskneipe »Bosch« am Tresen. Um ihn herum: holzvertäfelte Wände und blau-weiße Raufasertapete, daran genagelt blau-weiße Wimpel, dazwischengequetscht blau-weiße Wandteller aus Porzellan, alles verziert mit Schalker Wappen. Außerdem dabei: ein Fotograf. Denn Skrzybski, 25 Jahre alt und gerade von Union Berlin zu Schalke gewechselt, soll gleich fotografiert werden für diesen Artikel. Deswegen trägt er ein Schalke-Trikot, gewissermaßen zum ersten Mal beruflich. Doch bevor fotografiert werden darf, muss er sich dem prüfenden Blick der Wirtin stellen.


Foto: Marcel Maffel

»Pass auf, Junge«, sagt sie. »Nach dem Tedesco, da haben wir hier einen Schnaps benannt. Ein Gast nannte das Ding vorher immer Tabasco, daraus wurde dann mit der Zeit Tedesco. Ist ein scharfer Schnaps, mit Tomatensaft und Wodka, passt zum Temperament des Trainers.« Sie nimmt jetzt Fahrt auf. »Irgendwann werden wir ja hoffentlich auch nach dir einen Schnaps benennen. Also: Was hast du zu bieten? Was können wir aus dir machen?« Skrzybski zögert, er will nicht unhöflich sein und lächelt, aber mit der Frage hat er nicht gerechnet. Dann antwortet er, ganz sachte, als wolle er keine falschen Erwartungen schüren: »Ich bin eher ein stilles Wasser.«

»Ich habe den Verein lieben gelernt«

Es ist die vorsichtige Antwort eines Schalker Neuzuganges, der im Moment seiner Vertragsunterschrift automatisch Publikumsliebling wurde. Aber nicht, weil sich die Fans erhoffen, dass Skrzyb­ski sie zur ersten Meisterschaft seit 1958 schießt. Sondern weil Skrzybski für die Schalker Fans vor allem eines ist: einer von ihnen. »Ich war fünf Jahre alt und saß mit meinen Eltern vor der Glotze«, erzählt er später. »Schalke spielte gegen Bayern, hatte aber keine Chance und verlor. Aus kindlichem Trotz heraus war ich danach für die Verlierer. Seitdem verfolge ich Schalke und habe den Verein lieben gelernt.«



Als Patrik Andersson 2001 in letzter Sekunde den Ball ins Hamburger Tor und von dort aus direkt durchs Schalker Herz drosch, saß der neunjährige Skrzybski zu Hause in Berlin-Köpenick, schaute entgeistert die Sportschau und konnte es nicht fassen. Als Schalke zehn Jahre später im Champions-League-Viertelfinale mit 5:2 bei Inter Mailand gewann, da saß Skrzybski immer noch zu Hause in Berlin-Köpenick vor dem Fernseher. Und war schon wieder fassungslos, dieses Mal andersherum.

»Ich hielt es nicht für möglich. Allein die Torschützen: Doppelpack von Edu in Mailand. Ich wiederhole: von Edu – in Mailand!« Und als Schalke im Revierderby sensationell aus einem 0:4 noch ein 4:4 machte, da war bei Union allen klar: Am Montag im Training, da hat der Skrzybski gute Laune.

Lieblingsspieler? Ebbe Sand

Weswegen der Neuzugang in seinen ersten Wochen auf Schalke fast darum kämpfen muss, als Fußballer wahrgenommen zu werden. Und nicht als Fan. Zwar erzählt er, auf seine Leidenschaft für Schalke angesprochen, gerne von seinem Lieblingsspieler Ebbe Sand oder von den Schalker Trikots, die er als Kind sammelte. Doch er bemüht sich auch stets darum, zu relativieren. Ob er oft zur Arena auf Schalke gepilgert sei? Nein, nur ein einziges Mal, schließlich habe er ja meist selbst gespielt. Ob er eine Lieblingszeile vom Ebbe-Sand-Lied habe? Nein, das Lied gefalle ihm zwar gut, eine Lieblingszeile habe er aber nicht. Ob es Kontakt zur Fanszene gebe? Nein, aber das würde sich ja sicher noch ergeben.