Wie Stefan Kuntz den FCK reparierte

Die Säge lebt

Stefan Kuntz verhalf der Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern zu einem neuen Gesicht. Der aktuelle Kader besinnt sich auf alte Stärken, die den Verein bereits zu seiner aktiven Zeit in den Neunzigern auszeichneten. Wie Stefan Kuntz den FCK reparierteImago Der Trainingsplatz des 1. FC Kaiserslautern war an diesem herrlichen Frühlingstag schon fast im Schatten des Betzenbergs verschwunden. Vögel zwitscherten von den Bäumen, ein paar Rentner auf der Tribüne brummten vor sich hin. Die Spieler des örtlichen Zweitligisten traten unmotiviert gegen den Ball, ideenlos standen sie durcheinander gewürfelt auf dem Grün. Ihre Trainer beobachteten das lustlose Gekicke und genossen augenscheinlich die warmen Sonnenstrahlen, flachsten untereinander, lachten. Es erinnerte nicht viel an das Training einer abstiegsbedrohten Mannschaft, vielmehr an die lockere Einheit einer Spitzentruppe, die am Vorabend das Halbfinale der Champions League gewonnen hatte.

Tatsächlich kämpfte der 1. FC Kaiserslautern zu diesem Zeitpunkt um seine nackte Existenz. Auf dem Papier befand sich die Profimannschaft im freien Fall, dem Verein drohte das Verschwinden in der Versenkung des Amateursports – doch den Spielern und Trainern merkte man die gegenwärtig ernste Situation keineswegs an.

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Die wenigen Kiebitze, die bereits Fritz Walter die Fußballschuhe schnüren sahen, hatten den emotionslosen Haufen bereits abgeschrieben. Man konnte sie in die hochgeklappten Kragen ihrer Wintermäntel vereinzelnt fluchen hören. Es müsse schon ein Wunder her, um den Abstieg in die dritte Liga noch verhindern zu können, raunte der Eine. »Mit dieser Mannschaft?« wandte sich der Andere fassungslos ab. An diesem Nachmittag im Februar konnten die älteren Herrschaften noch nichts von Milan Šašić und Stefan Kuntz wissen, sie ahnten nichts von der turbulenten Aufholjagd - sie glaubten einfach nicht mehr an die Rettung ihres FCK und stiegen enttäuscht vom Betzenberg hinab.

Tage später wurde der erfolglose Trainer Kjetil Rekdal dann von eben jenem Milan Šašić abgelöst, dem ehemaligen Torhüter aus Kroatien, zuletzt Trainer bei TuS Koblenz. Die erste Trainingseinheit unter Šašić ließ das fröhliche Gezwitscher der Vögel vorerst verstummen. Die Rentner hatten sich noch einmal neugierig aufgemacht, den Berg hinauf. Sie staunten nicht schlecht. Der neue Trainer bellte energisch seine Kommandos, pfiff und klatschte, die Spieler gehorchten, fauchten, bissen. Es sah endlich nach Abstiegskampf aus. Šašić verbesserte die Abwehrarbeit entscheidend, das Mittelfeld stand in den Spielen kompakter – jedoch der große Endspurt ließ weiter auf sich warten. Die Mannschaft sammelte in der Summe einfach zu wenig Punkte, um die Abstiegsränge zu verlassen.

Stefan Kuntz packte den Verein an seinen Wurzeln

Im April konnte die Vereinsspitze schließlich Stefan Kuntz überzeugen, zu seinem alten Klub zurückzukehren. Ein Glücksgriff. Der verlorene Sohn kannte den Verein und die Pfälzer aus seiner aktiven Zeit genau, wusste instinktiv, was dem Verein die letzten Jahre fehlte. »Es muss wieder heißen ›Unser FCK‹ und nicht ›die da oben auf dem Berg‹«, sagte der neue Vorstandsvorsitzende. Mit seinem Konzept »Lauterer Herzblut« sollten Fans, Verantwortliche und Spieler enger zusammenrücken. Stefan Kuntz packte den Verein an seinen Wurzeln, an seiner ganzen Tradition und Besonderheit, und hauchte der Mannschaft neues Leben ein. Šašić und seine Spieler setzten auf dem Platz um, was ihnen Kuntz im Büro vorlebte. Die Pfalz erlebte ihr Happy End. Mit einer unglaublichen Energieleistung und dem viel beschworenen Herzblut gelang es am letzten Spieltag, die Abstiegsränge doch noch zu verlassen und das ganz große Unglück im allerletzten Moment abzuwenden. Die Mannschaft hatte das Wunder vollbracht, zusammen mit Stefan Kuntz und Milan Šašić, zusammen mit den Rentnern vom Trainingsplatz, zusammen mit all den Fans des FCK.

»Wir können nicht gegen die Gewohnheiten und die Mentalität des Klubs arbeiten. Wir müssen versuchen, so Fußball zu spielen, wie es die Leute in dieser Region sehen wollen«, sagt Milan Šašić. Stefan Kuntz nickt. Er hat den FCK und die Pfalz wieder miteinander versöhnt. Es sind die Erfahrungen des Spielers Kuntz, von denen der Zweitligist in dieser Zeit profitiert. Der Kader wurde in der Sommerpause nach den Vorstellungen von Kuntz und Šašić aufgeräumt. Das Konzept des Erfolgduos geht auf. Der Verein setzt in Zukunft ausschließlich auf Spieler, die sich mit dem Verein bedingungslos identifizieren, das nötige Herzblut haben, vor der Verantwortung gegenüber den Fans nicht kuschen. Kampf und Leidenschaft und unbedingter Siegeswille sollen wieder das Spiel des FCK auszeichnen. Den Pfälzern gefällts.

Nach dem Unentschieden zum Auftakt dieser Saison startete die Mannschaft eine Serie von bisher fünf Siegen. Die Vögel singen wieder auf dem Trainingsgelände am Betzenberg. Die Rentner sind stolz auf ihre Mannschaft. Man ist sich der gegenwärtigen Situation in Kaiserslautern bewusst: Der FCK kämpft um den Wiederaufstieg – für die gesamte Pfalz.