Wie spielt man Qualifikation gegen Nordirland?

»Mann, war das eine komplizierte EM-Quali«

Nordirland war schon oft ein unangenehmer Gegner der deutschen Elf in der Qualifikation. Drei Alt-Internationale erinnern sich an ihre Aufeinandertreffen mit den Nordiren – und verraten den Schlüssel zum Erfolg.

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27. März 1999

EM-Qualifikation Nordirland – Deutschland 0:3 (0:2)

Michael Preetz, 7 Länderspiele:

»In der Kabine des Windsor Parks stand die Aufstellung der Nordiren an der Tafel. Erich Ribbeck hatte alle Positionen mit Rückennummern und Namen versehen: »6/Morrow, 8/Lennon, 10/Hughes…«. Alles Spieler, die mir von Mittelklassevereinen der Premier League geläufig waren. Nur die Mittelstürmerposition irritierte mich. Statt Nummer und Namen war dort geschrieben: »Ochs«. Der Bundestrainer hatte offenbar eine klare Vorstellung vom Gegner: neun Mann in der Verteidigung und vorne ein Bulle, der abstaubt, wenn’s was abzustauben gibt. Und so lief es dann auch. 14 200 Zuschauer im zugigen Rund sorgten zwar für gut gelaunte britische Stadionatmosphäre, aber nach einer Stunde war das Match gelaufen. Mit zwei Freistoßtreffern und einem Kopfballtor hatten wir das robuste Abwehrbollwerk der Nordiren durchbrochen. Ich durfte in der letzten Viertelstunde den zweimaligen Torschützen Marco Bode ersetzen. Ein Goodie von Ribbeck, wie sich nach dem Spiel herausstellen sollte, als der Bundestrainer mir umständlich zu erklären versuchte, dass ich vier Tage später im Quali-Spiel gegen Finnland auf der Tribüne Platz nehmen müsse. Damals durften pro Spiel nur 18 Akteure aus dem Gesamtaufgebot in den Kader berufen werden. Als ich sah, wie schwer sich »Sir Erich« tat, sagte ich: »Kein Problem, Trainer, ich bin schon groß, ich kann das ertragen.« Am nächsten Morgen flogen wir zurück nach Deutschland. Außer dem Stadion und dem Hotel hatte ich von Belfast nichts gesehen.«

9. November 1996

WM-Qualifikation Deutschland – Nordirland 1:1 (1:1)

Stephan Paßlack, 4 Länderspiele:

»Normalerweise rufen mich Journalisten an, weil ich einer der drei Bundesligaspieler bin, die am häufigsten abgestiegen sind. Einen Anruf wegen des Länderspiels gegen Nordirland hatte ich noch nie. Da ich insgesamt nur vier Mal das Nationaltrikot trug, müsste ich mich eigentlich gut erinnern. Aber ein Match gegen Nordirland ist eine Pflichtaufgabe. Wir waren in Nürnberg der klare Favorit, doch nach Plan lief es nicht: Als Berti Vogts mich in der 62. Minute für Dieter Eilts einwechselte und ins rechte Mittelfeld beorderte, wollte er mehr Druck nach vorn aufbauen. Die Nordiren hatten sich hinten reingestellt, sie gingen robust zu Werke und waren überraschend in Führung gegangen. Andy Möller hatte zwar ausgeglichen, aber gegen das engmaschige 4-3-2-1-System taten wir uns schwer. In der Schlussphase bekam ich noch eine Torchance, aber der Ball ging daneben. Die gute Stimmung im Frankenstadion war danach etwas getrübt, aber nach dem Schlusspfiff ging die Mannschaft auseinander, wir reisten zurück zu unseren Klubs und das Unentschieden war schnell aus den Köpfen.«

17. November 1982

EM-Qualifikation Nordirland – Deutschland 1:0 (1:0)

Hans-Peter Briegel, 72 Länderspiele:

»Mann, das war eine komplizierte EM-Qualifikation. Die Nordiren waren physisch stark und konditionell auf höchstem Niveau. Technische Mängel machten sie mit enormer Laufbereitschaft wett. Mit Norman Whiteside spielte ein junges Toptalent im Angriff. Kurz zuvor hatten sie bei der WM 1982 gegen Gastgeber Spanien gewonnen und waren souverän in die Zwischenrunde marschiert. Wir wussten also, dass es sehr schwer werden würde. Besonders auswärts, wo das Team von Torwartlegende Pat Jennings bei strömendem Regen im Windsor Park von 30 000 Fans angefeuert wurde. Im Zentrum von Belfast herrschte hingegen eine gespenstische Atmosphäre. Die Auseinandersetzungen zwischen den im Nordirland-Konflikt verfeindeten Parteien erreichten gerade ihren Höhepunkt. Ständig musste man mit Terroranschlägen rechnen, deshalb durften wir vor dem Spiel auch keinen Ausflug in die City unternehmen. Vom Bus aus sahen wir, dass die Innenstadt durch riesige Tore abgeriegelt und von Militärs gesichert wurde. Vorfreude aufs Spiel kam da nicht auf. Aber Jupp Derwall war kein Trainer, der aus Niederlagen eine Staatsaktion machte, deshalb legten wir das Match nach Abpfiff schnell zu den Akten. Wir ahnten nicht, dass auch das Rückspiel in Hamburg mit 0:1 verloren gehen würde. Zum Glück zählte in der Qualifikation damals nicht der direkte Vergleich, sondern das Torverhältnis. So reichte uns in der letzten Quali-Partie in Saarbrücken gegen Albanien ein knapper 2:1-Sieg, um uns für die EM zu qualifizieren. Sonst wären wir zuhause geblieben – und Nordirland wäre nach Frankreich gefahren.«