Wie sollen die Fans Diegos Topform finden?

Einfach nur: Enjoy!

Diego hat – trotz der 1:2-Niederlage Bremens – Real Madrid auf Tiefste beeindruckt. Wie sollen sich die Werder-Fans nun fühlen? Sollen sie sich freuen, dass solch ein Teufelskerl für ihren Klub spielt? Oder Angst haben, dass er nach Spanien geht? imago images
Diego stürmte an den Madrilenen vorbei, als seien sie Kreidemaschinen aus der Hansestadt, er lupfte, rotierte und zwirbelte den Ball 90 Minuten lang über den Platz, sorgte damit für Szenenapplaus von den verwöhnten Rängen und ließ nach dem Schlusspfiff sogar Ruud van Nistelrooy frohlocken: „Diego war schuper, einfach nur: Enjoy!“

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Nun gibt es Schlimmeres, als einen derart begnadeten Streichelfuß in den eigenen Reihen zu haben. Doch Diegos Auftritt hat natürlich auch Interessen geweckt beim reichsten Verein der Welt, Real Madrid. Die haben mit Wesley Sneider zwar schon einen auf der Diego-Position, aber das brauch man den Real-Verantwortlichen wohl nicht erklären: Warum sich mit einem begnügen, wenn man zwei haben kann? Diego hat den Auftritt genutzt und sich – wohl wissentlich – ins Gespräch beim spanischen Hauptstadt-Klub gebracht. Sein Manager wird das genau so gesehen haben, sonst hätte er bei all den immergleichen Fragen zu der Personalie Diego wohl nicht so ausgesehen, als stünde kurz vor einem Wutanfall.

Womit wir wieder bei den verwirrenden Gefühlen eines einfachen Fußballfans sind: Darf man sich nun freuen, dass der eigene Mann die arroganten Superstars mit feinen Tricks im eigenen Stadion Hopps genommen hat? Oder tritt man sachte auf die Euphoriebremse und frönt der anständigen Mannschaftsleistung? Das wäre allerdings nicht so einfach, denn obwohl das ganze Team eine solide Vorstellung geboten hat („Sie haben das Beste aus ihren Möglichkeiten gemacht.“) gab es nur einen Spieler, über den man sich wirklich freuen konnte: Diego.

Es war beinahe ulkig anzusehen, wie seine klumpfüßigen Mitspieler Sanogo, Vranjes oder Baumann jede seiner sauberen Pässe mit verkorksten Annahmen oder stümperhaften Torschüssen versauten.

Dann sollte man doch lieber zuschauen und genießen, so lange der kurz gewachsene Zauberer seine Funken noch in Bremen versprüht. Und so ganz sollte man die Hoffnung nicht aufgeben, dass Diego eines Tages mit einer monströsen Tätowierung in Form einer grün-weißen Raute daherkommt, lächelnd einen Vertrag auf Lebenszeit unterschreibt und freudetrunken in die Kameras singt: „Im Norden gibt’s nur ein Verein…“

Das wird ja wohl noch erlaubt sein.

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Unser Autor Alex Raack ist Betreiber des formschönen Blogs 3eckeneinelfer.de www.3eckeneinelfer.de .