Wie sinnvoll ist die Nations League?

Pro Jahr fünf Wettbewerbe

Wie ist die Nations League, abgesehen von der mangelhaften Kommunikation zwischen Uefa und den Verbänden, zu bewerten? Für Michel Platini gibt es, wenig überraschend, nur Gewinner. Die Top-Teams in Europa würden regelmäßig Spiele gegen attraktive Gegner bestreiten, was nicht nur wettbewerbsverstärkend sei, sondern sich auch noch wunderbar vermarkten lasse. Schwächere Nationen hätten durch das Gruppensiegerprinzip eine bessere Chance, sich für die Europameisterschaft zu qualifizieren.

Das mag alles stimmen. Gründe für eine kritische Betrachtung gibt es allerdings zu Genüge. Wenn die Partien innerhalb der Nations League in Zukunft Freundschaftsspiele ablösen sollen, was wird dann aus Test-Begegnungen zwischen Mannschaften verschiedener Kontinentalverbände? Ein Freundschaftsspiel wie das der Deutschen gegen Chile wird es dann vermutlich allein aus Zeitgründen nicht mehr geben. Bayern-Präsident Karl-Heinz Rummenigge hat sich zwar bereits positiv dazu geäußert, weil »unsere Spieler nicht mehr für Freundschaftsspiele um die Welt reisen müssen«, dem Zuschauer bleiben solch interessante Paarungen aber versagt.

Die Mehrfachbelastung wird es geben

Gleichzeitig erhöht sich – trotz der Uefa-Beschwichtigung – die Belastung für die Spieler. Wenn Freundschaftsspiele plötzlich zu einem Wettbewerb ummodelliert werden, hat das Folgen für die Fußballer. Bislang konnte sich ein Bastian Schweinsteiger erlauben, wegen einer vergleichsweise harmlosen Verletzung auf ein Testspiel zu verzichten, um sich zu schonen. Wenn es in Zukunft um Qualifikation und Abstieg geht, ist die Schonzeit vorbei. Ein Spitzenspieler wie Schweinsteiger spielt dann zu Höchstzeiten in fünf verschiedenen Wettbewerben: Nationale Liga, nationaler Pokal, Europapokal, EM-Qualifikation und Nations League. Bleibt nur zu hoffen, dass die Spieler bei dieser Flut an Punktspielen nicht irgendwann die Übersicht verlieren.

Und zu guter Letzt darf die Frage erlaubt sein, welche Rolle die Nations League in Bezug auf die Bewerbung Platinis zum Fifa-Präsidenten 2015 spielt. Zwar hat der Uefa-Boss verlautbaren lassen, die Entscheidung über eine mögliche Kandidatur erst im Sommer bekannt zu geben, seine Bewerbung gilt aber als so gut wie sicher. »Eine starke Nachricht an die gesamte Fußballerfamilie«, hat Michel Platini sein neuestes Werk zusammengefasst. So spricht ein zukünftiges Familienoberhaupt.