Wie Sinisa Mihajlovic und Bologna den Krebs bekämpfen

Zwölf Freunde müsst ihr sein

Sinisa Mihajlovic coachte den FC Bologna gegen Brescia Calcio zum Sieg – vom Krankenbett aus. Die Geste seiner Spieler nach der Partie zeigt: Die Mannschaft ist nicht nur sportlich stark.

imago images

Als die Spieler des FC Bologna in der Halbzeit vom Feld trotteten, war ihnen nicht klar, wie schön dieser Sonntag noch werden sollte. Drei Tore hatten sie sich beim Aufsteiger in Brescia gefangen, der zwischenzeitliche Anschlusstreffer hatte nichts bewirkt. Und auf dem Weg in die Kabine dürften sie vor allem Einen schmerzlich vermisst haben: Ihren Trainer. Sinisa Mihajlovic war nicht mit zum Spiel in die Lombardei gefahren - sondern krebskrank im Krankenhaus geblieben.

Wegen einer Chemotherapie musste der 50-jährige Serbe die Partie im Krankenbett verfolgen und dabei feststellen, dass seine Mannschaft nicht gut ins Spiel fand: Bologna kassierte früh zwei Gegentore und lag zur Halbzeit mit 1:3 hinten. Für einen Trainer wie Mihajlovic, der zuvor trotz tödlicher Krankheit nicht auf die Trainerbank hatte verzichten wollen und dort nach der ersten Chemotherapie wieder Platz genommen hatte, muss es brutal gewesen sein, der eigenen Mannschaft dabei zuzusehen, wie sie ausgerechnet gegen einen Aufsteiger unterzugehen drohte. Dutzende von Kilometern entfernt, ohne eingreifen zu können. Scheinbar.

Aufholjagd und Überraschungsbesuch

Denn in der Pause richtete sich Mihajlovic per Videoanruf an seine Mannschaft. Was genau in der Kabine in Brescia passierte, ist nicht überliefert. Nur so viel: Nach der Ansprache gingen seine Spieler raus und drehten die Partie zum 4:3.

Damit steht der FC Bologna derzeit auf Platz zwei der Serie A. Wem sie den gelungenen Auftakt zu verdanken hatten, wussten die Spieler sehr gut. Zurück aus Brescia hielt der Mannschaftsbus in Bologna am Ospedale Sant’Orsola. Die feierwütige Truppe stieg aus, stellte sich vor einen Fassade des Krankenhauses und blickte gebannt zu einem der Fenster hoch. Nach kurzer Zeit streckte dort ein überglücklicher Sinisa Mihajlovic seinen Kopf heraus. Die Spieler johlten, applaudierten einige Sekunden und besangen ihren Trainer: »Dai Sinisa alè!«