Wie sich Vereine Minderjährige aus aller Welt krallen

Jungs aus der Nachbarschaft

Atlético Madrid wurde für den Sommer mit einer Transfersperre belegt, weil der Verein zu oft Minderjährige aus aller Welt verpflichtet. Die Strafe ist richtig, allerdings ist Atlético längst nicht der einzige Klub, der sie verdient. Über ein dreckiges Geschäft.

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Nach dem Aus in der Champions League gegen Real Madrid hatte Diego Simeone eine Idee. Eigentlich müsse man die meisten seiner Spieler nur klonen, dann sehe die Zukunft gewiss rosig aus, befand der Trainer von Atletico Madrid. Vier Wochen später wäre der in der Umsetzung etwas schwierige Einfall von enormen Wert für den spanischen Klub. Wegen des unrechtmäßigen Klonens seiner Spieler ist bisher noch kein Verein von der Fifa sanktioniert worden, wegen des unrechtmäßigen Umgangs mit Minderjährigen dagegen schon.

Am Donnerstag bestätigte der Internationale Sportgerichtshof CAS die gegen Atletico verhängte Transfersperre, die Spanier dürfen wie schon im vergangenen Winter auch in diesem Sommer keine neuen Spieler verpflichten. Das ist frühestens erst wieder im Januar kommenden Jahres möglich. Atletico nannte das Urteil zwar »unfair«, auch weil dem Lokalrivalen Real zuletzt die Strafe wegen ähnlicher Vergehen reduziert worden war, die Zahlen lassen jedoch kaum einen anderen Beschluss zu. Von 183 untersuchten Fällen hätte Atletico in 65 gegen den Fifa-Paragraphen 19 verstoßen, der den internationalen Transfer von unter 18-jährigen verbietet.

Schlupflöcher? Natürlich!

Natürlich wäre die Fifa nicht die Fifa, wenn sie auch diesen Paragraphen nicht mit Schlupflöchern ausgestattet hätte. Ausnahmen in Bezug auf Artikel 19 sind: Die Familie des Spielers zieht aus Gründen, die nicht im Zusammenhang mit Fußball stehen, in das Land des neuen Klubs. Der Spieler zieht von einem Land der europäischen Union in ein anderes und ist mindestens 16, oder: Der Spieler wohnt im Grenzgebiet zum Land seines neuen Klubs, sprich 100 Kilometer oder weniger entfernt.

Im Fall von Atletico bemängelte der CAS hauptsächlich, dass nicht erkennbar sei, dass die meisten Familien ohne einen Zusammenhang zum Fußball nach Spanien gekommen seien. Sind sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht. Das Geschäft mit minderjährigen Fußballern ist für diverse Berater und Agenturen inzwischen kaum weniger lukrativ als mit Volljährigen. Vor allem in den Regionen der Welt, aus denen einige spanische Vereine bevorzugt rekrutieren. In den vergangenen Jahren hat sich der Blick vieler iberischer Klubs beim Wettlauf um die vielversprechendsten Talente stark nach Afrika und Südamerika gerichtet.