Wie sich Southampton FC gegen ein Hotel wehrt

Rückkehr nicht eingeplant

Abstiegskampf in England: Weil das einzige Hotel in Swansea in letzter Minute absagte, musste der FC Southampton vor dem direkten Duell eine neue Herberge suchen. Jetzt rächt sich der Verein auf seine Weise.

imago

Zwischen sieben und neun Stunden Schlaf benötigen Erwachsene in der Regel, um ausgeschlafen durch den Tag zu kommen. Leistungssportler brauchen etwas mehr, weshalb Football-Clubs in den USA den Spielern Schlafmesser mitgeben, um ihre Ruhezeiten zu überwachen. Auch Fans wissen: Wer weniger schläft, macht mehr Fehler. Und im in großen Spielen wird jeder Fehler bestraft.

Dass Anhänger der Heimmannschaft deshalb in der Nacht oft zu den Hotels des Gegners schleichen, um anschließend eine wilde Pyro-Show abzuliefern wie zuletzt in Paris, als Real Madrid zu Gast war, ist bekannt. Und im kroatischen Split haben Hajduk-Fans im letzten Jahr das Hotel von Levski mit Feuerwerk beschossen. Viel Licht, aber keine bleibenden Schäden.

Plötzliche Grippewelle

Ein Risiko, dass das Marriott Hotel in Swansea trotzdem nicht eingehen wollte oder auch: den Fans zuvorkam. Es ist das einzige Gebäude, dass in der 240.000-Einwohner-Stadt genügend Platz für eine Mannschaft bietet. Genügend Platz für den FC Southampton, der am Mittwoch im Abstiegskampf gegen Swansea antrat.

Doch einen Tag vor dem Spiel informierte das Hotelmanagement den Verein, dass ein Virus bei der Belegschaft ausgebrochen sei. Ein sicherer Aufenthalt könne nicht gewährleistet werden. Kurzfristig musste die Vereinsführung ein neues Dach über den Köpfen von Mannschaft und Trainerteam finden. Und reiste am Abend ins 50 Kilometer entfernte Cardiff. Stress pur. Wenig Erholung. Nur: Während das Fußballteam umzog, scheint es so, als hätten alle anderen Gäste bleiben dürfen. Freundliche Unterstützung des Hotelmanagements für Swansea City?

Online-Bewertung

Southampton gewann am Mittwochabend trotzdem mit 1:0. Dank drei Punkten Vorsprung und dem klar besseren Torverhältnis vor dem letzten Spieltag ist der Klassenerhalt damit praktisch gesichert. Für den Klub aus dem Süden Englands war die Geschichte aber noch nicht vorbei. Tags darauf veröffentlichte der Verein eine Google-Bewertung:

»Wir hätten wegen eines extrem wichtigen Businesstrips bleiben sollen, aber unsere Reservierung wurde 24 Stunden vor Ankunft aufgrund eines Virusausbruchs aufgehoben. Sehr enttäuschend, waren doch die Buchungen aller anderen Gäste davon nicht betroffen. (...) Glücklicherweise verdarb uns diese Erfahrung nicht die Reise. Das Businessmeeting war sehr produktiv! Eine Rückkehr ist nicht eingeplant.«

Das Hotelmanagement reagierte nicht auf die Bewertung, die auf Twitter für helle Begeisterung sorgte. Vorher hatte man sich auf das walisische Gesundheitsamt berufen, dass einen potentielle Infektsausbruch im Hotel untersuche. Swansea City benötigt jetzt am Samstag ein Wunder. Immerhin: Sie spielen zuhause.