Wie sich Simon Terodde zum besten Stürmer der zweiten Liga mauserte

»Ganz ehrlich: Es reicht!«

Seit Jahren mischt Simon Terodde mit seinen Toren die zweite Liga auf. Mit 29 Jahren hat er nun endlich den Sprung ins Oberhaus geschafft.

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Das Interview mit Simon Terodde stammt aus 11FREUNDE-Heft #186. Außerdem in der Ausgabe: 1997 - Der Sommer des Ruhrgebiets, Salford City, Marcelinho, Maradona. 

Simon Terodde, als wir dieses Interview Anfang April vor der englischen Woche anfragten, zögerten Sie mit der Zusage.
 
Ich habe mich über Ihr Interesse gefreut, aber ich wollte vermeiden, dass wir uns treffen, nachdem wir drei Mal verloren haben und ich Ihnen als Angreifer eines – sagen wir – Tabellenfünften gegenübersitze.

Klingt, als wären Sie etwas abergläubisch.
Nein, aber die Saison ist in der entscheidenden Phase und ich will mich voll auf Fußball konzentrieren.

Nicht zuletzt, weil Sie in Ihrer Karriere oft in entscheidenden Phasen Pech hatten.
Das kann schon sein. Das Auf und Ab zog sich ja von Anfang an durch meine Laufbahn. Beim MSV Duisburg unterschrieb ich als Torschützenkönig der Junioren-Bundesliga den ersten Vertrag, erlitt einen Meniskusriss und fiel fast das komplette erste Profijahr aus.

Und so ging es weiter. Nachdem Sie ein Probetraining bei Union Berlin krankheitsbedingt absagen mussten, ließen Sie sich zu Fortuna Düsseldorf ausleihen.
Wieder ein guter Start, aber ich brach mir die Rippe, der Lungenflügel wurde in Mitleidenschaft gezogen, und ich erlebte den Aufstieg der Mannschaft vom Krankenbett aus. Am Ende der Saison hatte weder Fortuna Interesse, mich zu verpflichten, noch hatte der MSV weitere Verwendung für mich. 

Und Sie wechselten aus der zweiten in die vierte Liga.
Bei einem Probetraining bei Wehen Wiesbaden fiel ich durch, da gab es nicht mehr viele Optionen.

Frank Schaefer holte Sie zum Regionalligateam des 1. FC Köln.
Ihm habe ich meine Karriere zu verdanken. Denn er hat mir gezeigt, dass es nicht allein reicht, als Stürmer vorne die Dinger zu machen, sondern auch für die Mannschaft zu arbeiten.

Wie hat Frank Schaefer das hinbekommen?
Ich wechselte in dem Glauben in die vierte Liga, bei ihm alle Spiele zu machen. Aber Frank Schaefer setzte mich auf die Bank. Er sagte, dass ich das Niveau nicht hätte, um von Beginn an zu spielen. Dass ich arbeiten muss, wenn ich weiterkommen will.

Auf die harte Tour also.
Wer weiß, was geworden wäre, wenn er nicht so mit mir umgesprungen wäre. Eine sehr lehrreiche Zeit. Am Ende bekam ich beim FC sogar noch fünf Einsätze in der Bundesliga.

Haben Sie in dieser Zeit auch mal drüber nachgedacht, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen?
Ich habe nach der Realschule eine Ausbildung zum Industriemechaniker gemacht und mich danach auf Fußball konzentriert. Als ich in der Regionalliga nur noch auf der Bank saß, habe ich meinen Vater angerufen und gesagt: „Papa, ich höre auf mit Fußball, das bringt nichts mehr!“

Und was hat er gesagt?
Der war total geschockt. Er sagte: „Beruhige dich erst einmal.“ Dann haben er und sein bester Freund mich ordentlich ins Gebet genommen – und ich entschied, mich durchzubeißen.

2011 wechselten Sie zu Union Berlin. Dort erlebten Sie zwei respektable Spielzeiten, am Ende aber ließ der Klub Sie ablösefrei ziehen.
Im dritten Jahr hatte ich deutliche Leistungsschwankungen, die dafür sorgten, dass ich kaum noch Spiele machte.

So selbstkritisch sind nur wenige Profis.
Ich habe gelernt, meine Leistung sehr realistisch einzuschätzen. Wenn ich junge Spieler höre, frage ich mich manchmal, woher die das Selbstbewusstsein haben, nach drei, vier guten Spielen einen Stammplatz zu fordern.