Wie sich in Rio de Janeiro ein Köln-Fanclub gründete

Hennes, der Erlöser!

In der Bundesliga abgeschlagen, in Südamerika auf Expansionskurs: Der 1. FC Köln hat jetzt auch einen eigenen Fanclub in Südamerika. Und die Mitglieder von »Hennes, Redentor« glauben weiter an ihren »Eff-Zeh«.

Tobias Käufer

Um zum Kölner Treff im 10. Stock in der Rua Santa Clara zu gelangen, ist vor allem eines nötig: Geduld. Denn in der Welthauptstadt des Karnevals dreht sich an diesem Samstag alles um Samba und Sonne. Und überhaupt nichts um den 1. FC Köln. Und so trudeln die aufrechten Fans aus allen Teilen Rio de Janeiros mit Verspätung zum Eff-Zeh-Gucken in die Rua Santa Clara ein. Draußen Verkehrschaos wegen des »Veedelszöchs« wie der Kölner sagen würde, satte 36 Grad und pralle Sonne, drinnen ein Piraten-Live-Stream irgendwo aus dem eiskalten Russland.

Aber es funktioniert: Sky mit deutschem Kommentar gibt es auch unter dem Zuckerhut, man muss eben nur wissen wie. »Auf Fox ist kein Verlass«, sagt Gründungsmitglied Andreas Nöthen. Der gebürtige Bonner lebt seit zwei Jahren als freier Journalist in Rio, bei Twitter nennt er sich stillecht «Copacabänes«. »Einen Eff-Zeh-Fanclub zu gründen habe ich mir festgenommen, als ich Deutschland verlassen habe.« Seine Frau arbeitet als Lehrerin an der Deutschen Schule.

Christus statt Hennes

Seit Mai 2017 trifft sich der Fanclub »Hennes, Redentor« (Hennes, der Erlöser) regelmäßig zum Fußball. Mal in der Kneipe »Mexico 70« direkt an der Copacabana, die ganz im Stil der WM 1970 gehalten ist, mal bei einem der Mitglieder zu Hause. Es ist ein bunter Haufen, der da die Hoffnung nicht aufgegeben hat, dass es vielleicht doch noch klappt mit dem Klassenerhalt. Korrespondenten, Diplomaten, Mitglieder der Städtepartnerschaft Köln-Rio de Janeiro und Bewohner aus der weniger glamourösen Nordzone eint die Liebe zum Dom und zum »Eff-Zeh«. Fast alle haben irgendwie eine Verbindung ins Rheinland.

So wie Daniel Ferrari, dessen Ehefrau aus Neuwied stammt, was aus Rio betrachtet ja eigentlich auch noch Köln ist. Ferrari hat ein eigenes Club-Logo entwickelt, das echte Kölner in der Heimat zusammenzucken lassen würde. Zwar stemmt auch hier Geißbock »Hennes« die Hufen auf das Wappen, doch innen drin hat Daniel den Dom verbannt und durch Rios Christusstaue ersetzt. Zumindest die Katholiken dürften das verschmerzen können. »Cristo Redentor« (Christus, der Erlöser) heißt die weltberühmte Statue auf dem Berg Corcovado. Nun trägt sie der »Eff-Zeh« zumindest hier in Rio in seinem Herzen und der Fanclub ihren Namen.