Wie sich rechte Fußballfans in England organisieren

Warum die FLA mit Fußball nicht mehr viel zu tun hat

Wie auch Social-Media-Profile deutscher Hooligan-Seiten während der HoGeSa-Welle strotzen die FLA-Pendants nur so von fragwürdigen Anschuldigungen und Aussagen. Meighan war sich etwa nicht zu schade, ausgerechnet Donald Trump zu verteidigen, als der einen Post der faschistischen Partei »Britain First« retweetete. Verbindungen in die extreme Rechte lassen sich reichlich ziehen. Einzelne Neonazis wie organisierte Gruppen nahmen an den bisherigen Aufmärschen der FLA teil. Prominent hervor sticht Tommy Robinson, Gründer des britischen Pegida-Ablegers und ehemaliger Anführer der EDL. Er versteht sich offenbar prächtig mit John Meighan.

Gemeinsam gespalten

Was allerdings für viele solcher Ansammlungen gilt (nämlich auch für die deutsche HoGeSa), bewahrheitet sich glücklicherweise auch in diesem Fall: Irgendwann zerschießen sie sich selbst. Eine erste Spaltung hat die FLA bereits hinter sich, neben dem Original besteht inzwischen eine Gruppe, die sich »Democratic Football Lads Alliance« (DFLA) nennt. Sie wirft Meighan vor, Gelder zurückzuhalten und für eigene Zwecke zu missbrauchen. Der wiederum bestreitet die Vorwürfe. Allzu öffentlichkeitswirksam hat er just einer Kriegsveteranen-Organisation 1.000 Pfund vermacht. Angesichts der groß angelegten Spenden- und Merchandise-Kampagne, die die FLA seit Anbeginn begleitet, dürfte das allerdings eher ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen sein.

Deshalb konkurrieren nun zwei Gruppen von Fußballanhängern mit eigentlich gleichem Programm gegeneinander. Überraschenderweise war es bis hierhin tatsächlich gelungen, die auch in England über viele Jahre gewachsenen Feindschaften einzelner Szenen zum Wohle der gemeinsamen Sache zurückzustellen. Plötzlich marschierten West Ham und Millwall, Arsenal und die Spurs, Brighton und Crystal Palace Seite an Seite. Im Oktober folgten bis zu 30.000 Fußballfans einem Aufruf der FLA zu einer Demonstration »gegen Extremismus« in London.

Birmingham statt Amsterdam

Am vergangenen Samstag sollte das nicht mehr gelingen. Sowohl die FLA als auch die DFLA organisierten eine Veranstaltung in Birmingham. Die Massen, die sich noch in der britischen Hauptstadt einfanden, liefen dieses Mal nicht auf: Lediglich 5.000 Personen erschienen, etwa gleichmäßig verteilt auf beide Kundgebungen. Dabei hatte Meighan zuvor noch angekündigt, »die Stadt stillzulegen«. Nach einem Nachmittag fast ohne jede Ausschreitung zeigten sich einige Teilnehmer enttäuscht und beschwerten sich im Internet über den fehlenden Event-Charakter. Wären sie doch lieber der englischen Nationalelf zum Auswärtsspiel nach Amsterdam hinterhergereist.

So offenbarte der Samstag in Birmingham vor allem, dass es sich bei FLA und DFLA kaum um die Bewegung engagierter und kritischer Fußballfans handelt, die sie selbst gerne sein wollen. Vielmehr unterschieden sich beide kaum von einem x-beliebigen rechten Aufmarsch. Die FLA-Anhänger grölten »We want our country back« (»Wir wollen unser Land zurück«) und lauschten etwa Anne Marie Waters, einer Anti-Islam-Aktivistin, die über geflüchtete Menschen in Europa als »importierte Hölle auf Erden« sprach. Und die DFLA stand dem in nichts nach: Hier sprach etwa der Chef der AfD-nahen »UK Independence Party«. Bei der kurzen Konfrontation mit einem antirassistischen Gegenprotest versuchten zudem einige der Hooligans durch die Polizeiabsperrungen zu brechen.

Wenn der FLA im Unterschied zu HoGeSa und EDL also anfangs noch zu Gute zu halten war, dass sie ihren Rassismus zumindest öffentlich einigermaßen zurückhielt, scheint sich das nun erledigt zu haben. Einzig, dass größere Gewaltausbrüche bisher ausblieben, lässt sich ihr noch anrechnen. Vom Fußball hat sich die Gruppe dennoch eigentlich längst verabschiedet. Fußball ist vielfältig, integrativ und bunt — die FLA das bloße Gegenteil.